FOTOGRAFIE Lichtbildner im Schatten
Die porträtierten Persönlichkeiten könnten aus einem »Who's who« des vergangenen Jahrhunderts stammen: Kaiser Wilhelm II., der Reeder Albert Ballin, die Tänzerin Josephine Baker, der Psychoanalytiker Sigmund Freud, der Zoodirektor Carl Hagenbeck, der Dirigent Leonard Bernstein. Bislang weitgehend unbekannt blieben jedoch ihre Porträtisten, die Hamburger Fotografen Emil Bieber, Max Halberstadt, Erich Kastan und Kurt Schallenberg. Bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten galten ihre Ateliers als beste hanseatische Adressen. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurden sie zur Geschäftsaufgabe gezwungen und flohen ins Exil. Unter dem Titel »Verdrängt, vertrieben, aber nicht vergessen« wird jetzt eine Hamburger Ausstellung des Publizisten Wilfried Weinke im Altonaer Museum die Arbeiten der vier Lichtbildner würdigen (14. Januar bis 4. April). Dazu präsentiert der Historiker in einem gleichnamigen Bildband (Kunstverlag Weingarten) 230 zum Teil erstmals veröffentlichte Aufnahmen und die Ergebnisse seiner vierjährigen Recherchen zu den Lebenslinien der Künstler. Sachkundig verknüpft er die deutsch-jüdische Stadthistorie Hamburgs mit der Entwicklung der Fotografie und setzt das Werk der Porträtisten wieder ins rechte Licht.