LITERATUR Liebe in Ruinen
Auf den Modeautor Michel Houellebecq folgte dessen Kumpel Frédéric Beigbeder ("Neununddreißigneunundneunzig"), und auch unter den Deutschen gab es in diesem Literaturjahr ein paar schöne Neuentdeckungen: Sven Regener ("Herr Lehmann") und Juli Zeh ("Adler und Engel") etwa, Frank Goosen ("Liegen lernen") und Malin Schwerdtfeger ("Café Saratoga"). Herausragende Bücher aber gelangen zwei längst Etablierten: Der in England lebende (und vor wenigen Tagen tödlich verunglückte) Schriftsteller W. G. Sebald, Jahrgang 1944, machte in seinem Sprachkunststück »Austerlitz« einen Mann zum Helden, der als jüdisches Kind mit einem »Kindertransport« aus Prag nach England kam, und beschwor eindrucksvoll die Schrecken der Vergangenheit. Der Kölner Dieter Wellershoff, 76, aber feierte mit dem Roman »Der Liebeswunsch« einen viel bestaunten Erfolg bei Kritik und Publikum: Voller Lebensklugheit schildert Wellershoff ein Beziehungsdrama, das Scheitern seiner Helden hinter einer Fassade, die nur unzureichend die emotionale Dürre ihres Lebens verdeckt: eine Geschichte von Sehnsucht, Lüge und Leidenschaft - mit tödlichem Ausgang.