»Lili«-Laterne im Zwielicht
Mit dem Weltkrieg-II-Schlager »Lili Marleen« war sie weithin berühmt geworden, die Tochter Bremerhavens, Lale Andersen. Die »Stadt mit ständig erhöhtem Puls« (Lale über Bremerhaven) hat dem Nachruhm der herben Sängerin nun ein Licht aufgesteckt, rechtzeitig zu Fassbinders »Lili«-Malaise: eine gußeiserne Laterne, die einst vor der lokalen Rote-Sand-Kaserne Dienst tat und von der Bundesmarine aufpoliert und spendiert wurde. Doch der Leuchtpfahl scheidet die Geister: Für eine bunte Splitterpartei, die »Alternative Liste für Demokratie und Umweltschutz«, wirft die Memo-Laterne trübe Schatten. Sie wecke »Erinnerung an die verhängnisvolle 'großdeutsche Vergangenheit'«, verherrliche oder verniedliche sie. Letzte Woche schnellte der Stadt-Puls ganz hoch: Unbekannte henkten an der Laterne eine große Puppe, bitterer Hinweis auf das Dritte Reich, in dem so Frauen gemordet worden seien, die Juden geliebt hatten.