Listige Mutter
Die Frau des Priesters (Italien, Farbe). Was ist eine Komödie? Was eine Satire? Was ist ironisch, sarkastisch, melodramatisch, tragisch? Was ist geschmacklos? Der italienische Regisseur Dino Risi ("Liebe, Brot und 1000 Küsse") ist sich nicht ganz sicher. So hat er einen Film-Mischmasch bereitet, der von jedem etwas enthält.
Die Selbstmord-Aspirantin Valeria (Sophia Loren) hat sich in die Stimme eines Telephonseelsorgers verliebt. Nun rennt sie im Mini diesem Mario (Marcello Mastroianni) nach, obwohl sie weiß, daß er ein Priester ist.
Und tatsächlich, sie bringt ihn zum Straucheln, er wankt, er fällt: Don Mario will seine Valeria nicht nur ins Bett ziehen, er will sie heiraten und fordert von der Kurie Dispens.
Aber die Kirche ist eine listige Mutter. Sie gewinnt den fast schon verlorenen Sohn zurück, indem sie ihn nach Rom holt und zum Monsignore befördert. Valeria, schwanger, ist die Dumme. Eine alte Nonne, die ihrem Bischof die tägliche Vitamin-Spritze in die Hinterbacken jagt, kommentiert: »Gelobt sei Jesus Christus, lebenslänglich, ohne Begnadigung.«
Sicher bei diesem Film ist nur eine Risi weiß nicht, was er will. Er liefert einen antiklerikalen Lohngesang auf den Zölibatsstreit und verharmlost ihn zum peinlichen Ministranten-Witz. Und sein großes Schauspieler Duo handelt dementsprechend fa »e. Wenn Sophia, zum Suizid bereit, ihre Schlaftabletten schluckt, dann blickt sie so teilnahmslos, als knabbere sie gelangweilt Konfekt. Mastroiannis schauspielerische Leistung zeigt sich vor allem in folgenden Gesten: Er nimmt die Hornbrille ab, er setzt sie wieder auf.
Gelobt sei Don Camillo. Und Peppone. Amen.
* Mit Sophia Loren, Mastroianni.