Raymond Carver, Bret Easton Ellis, Don DeLillo – sie alle verehren Joy Williams. Wen? Ja, genau. In Deutschland ist die 79-Jährige bisher weitgehend unbekannt gewesen. Das ändert sich jetzt hoffentlich. Dieses Jahr erschien ein Band mit Kurzgeschichten, »Stories«, im Frühjahr wird ihr Debütroman übersetzt erscheinen. Man kann jetzt also eine Autorin entdecken, die die »New York Times« mal ein »misanthropisches Genie« nannte. Sie trägt zu jeder Tageszeit eine Sonnenbrille, hat zwei große Schäferhunde und lebt im Wüstenstaat Arizona. Die Figuren ihrer Erzählungen sind schräge, einsame, auf der Suche nach Halt sich irgendwie zurechtlebende Gestalten. Kann man ihr Werk vielleicht sogar prophetisch nennen? Williams schreibt seit Jahrzehnten über das aus dem Ruder gelaufene Verhältnis von Mensch zu Natur. Eine ihrer Kurzgeschichten heißt »Letzte Generation«. Veröffentlicht wurde der Text 1990, er spielt aber im 21. Jahrhundert, »dem Jahrhundert der Zerstörung«. Die Erde, heißt es darin, existiere seit 4,6 Milliarden Jahren, es dauere jetzt aber nur noch 50 Jahre, um sie auszulöschen. Über die »letzte Generation« erfährt man, dass sie verschiedene Verpflichtungen hat: »Wir sollten nichts wissen und nichts wollen und nichts sein, aber gleichzeitig sollten wir alles wollen und alles wissen und alles sein.« Ich weiß nicht, wie es Ihnen gehen wird. Aber nach diesen Geschichten wollte ich alles lesen, was diese Frau geschrieben hat.