Alex Capus: Finstere Kolonien - DER SPIEGEL
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Alex Capus Finstere Kolonien

Alex Capus traut sich was: einen Roman über deutsche Schiffsbauer in Afrika.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bei seinem vierten Roman hat der Schweizer Vielschreiber und Erfolgsautor Alex Capus, 46, sich erneut für eine seiner Abenteuergeschichten entschieden: Drei deutsche Schiffsbauer verschlägt es am Vorabend des Ersten Weltkriegs nach Afrika an den Tanganjikasee, wo sie es mit einer fremden und üppigen Natur, mit Krankheit, Tod und einem exzentrischen Captain der britischen Navy zu tun bekommen.

Die Zutaten für eine Hit-Handlung (ein bisschen Weltkrieg, Fitzcarraldo, Tania Blixen) stimmen also, und Capus, als Spezialist für dokumentarisch abgesicherte Fiktionen im Besitz eines Bestseller-Rezepts, bedient das Genre "süffig geschriebener Kolonialroman" nahezu perfekt. Woher kommt es also, dass sich der Leser, um mit Marcel Reich-Ranicki zu sprechen, ab Seite 20 trotzdem ganz hübsch langweilt? Simple Erklärung: Der Autor hat keine eigene Sprache. Oder sie findet über die Ausdruckskraft eines Reporters, der mit farbigem Vokabular fesseln möchte, nicht hinaus: So kommt es, dass bei Abfahrt eines Dampfschiffs das Signalhorn "dröhnt", die Ankerketten "rasseln", die Dampfmaschine "faucht".

Capus scheut sich nicht, eine Bootstour in den Dschungel als Reise ins "Herz der Finsternis" zu bezeichnen - das muss man sich als Autor, der ja immer auch das Klischeehafte einer Redewendung im Blick haben muss, erst einmal trauen.

Dieser Roman wird, wie bisher alle Bücher von Alex Capus, viele glückliche Leser und einige Kritiken, die nicht ganz so glücklich sind, bekommen. Und daran ist ausnahmsweise einmal alles gerecht.