Alexander von Schönburg: Smalltalk - DER SPIEGEL
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Smalltalk-Tipps: Schweigen macht sexy

Smalltalk-Tipps Du sollst nicht langweilen!

Der Bestsellerautor Alexander von Schönburg schätzt guten Smalltalk - und gibt Tipps, wie er gelingt. Sein Buch ist ein Schnellkurs für die Silvesterparty.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Alexander von Schönburg, 45, sieht die Kunst des kleinen Gesprächs in einer großen Krise: Die Kulturtechnik der Konversation gerate zunehmend in Vergessenheit, schreibt der Journalist und Bestsellerautor in seinem neuen Buch "Smalltalk. Die Kunst des stilvollen Mitredens". Die Menschen redeten zwar immer noch miteinander, "aber dabei führen sie seltener Konversation, sie verhalten sich eher so, als würden sie ihren jeweiligen LinkedIn-Status miteinander vergleichen". Sie senden sehr viel, aber sie empfangen fast nichts, weil sie nicht zuhören. Sie suchen keinen Dialog, sondern Selbstbestätigung.

Von Schönburg, einst Chefredakteur der Personality-Zeitschrift "Park Avenue" und heute Mitglied der "Bild"-Chefredaktion, beschreibt den Kommunikationsstil unseres Selfie-Zeitalters, geprägt von Selbstdarsteller-Plattformen wie Facebook, Twitter und Co. Und er kontert diesen Stil mit zwei Geboten, auf denen guter Smalltalk basiert. Erstens: Du sollst nicht langweilen! Du sollst also nicht bedeutungshubernd dozieren oder tiefsinnig philosophieren, sondern ein Gespräch anstoßen oder in Gang halten, zum Beispiel mit einer zugespitzten Behauptung. Und zweitens, vielleicht noch wichtiger: Du sollst zuhören! Du sollst also den Raum nicht nach Gesprächspartnern abscannen, während noch jemand mit Dir redet, Du sollst Dich für Dein Gegenüber interessieren (und wenn nicht, dann sollst Du wenigstens so tun, als ob).

Den beiden Geboten stellt er zwei Verbote zur Seite. Erstens: Du sollst kein Klugscheißer sein! Und zweitens: Du sollst kein Moralscheißer sein! Im Smalltalk dürfe es nämlich nie darum gehen, recht zu behalten. "Man sollte, im Gegenteil, alles behaupten und jede Position halbwegs geistreich vertreten können". Und zwar so, dass jederzeit genügend Raum zur Gegenrede bleibe. "Smalltalk ist ein Spiel. Es lebt vom Hin und Her."

Wer die vier Grundregeln beherrscht, dürfte sich sicher über das Parkett jeder Silvesterparty bewegen. Vorausgesetzt natürlich, er weiß nicht nur, wie er smalltalken kann, sondern auch, worüber. Weiß er es nicht, hat er zwei Möglichkeiten. Erstens: zu schweigen. Es ist nämlich ein großer Irrtum, dass auf dem gesellschaftlichen Parkett nur derjenige reüssiert, der viel redet. Wer schweigt, wirkt souverän. Und intelligent. Und sexy. Zumindest wenn er nicht voreilig lächelt oder sich nervös umschaut.

Provokationen beleben das Gespräch

Die zweite Möglichkeit: dieses Buch von vorne bis hinten aufmerksam durchzulesen - und sich möglichst viele Bonmots und Provokationen und Pointen zu merken. Denn von Schönburg, jüngster Bruder der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, liefert nicht nur jede Menge Verhaltenstipps, so wie es sich für einen Ratgeber gehört, er liefert einen Glossar der Gegenwart: "ein Kondensat all der Themen, bei denen man heute mitreden muss". Dem liegt die freche These zugrunde, dass man nicht wirklich gebildet sein müsse, um gut smalltalken zu können. "Im Gegenteil, es ist eher hinderlich. Leute, die einen mit ihrer Klugheit und Bildung quälen, sind lästig."

Lästig findet von Schönburg ihr besserwisserisches Auftreten, aber nicht nur das, lästig findet er das Ausmaß an fundiertem Wissen an sich. Jeder habe heute immer und überall Zugriff auf Informationen, auch dank des Internets. "Wir sind wissdumm geworden. Überinformiert und doch ahnungslos". Das einzig probate Mittel, um mit den Ungereimtheiten unseres Daseins umzugehen, sei daher die Vereinfachung. "Mehr als das, was auf den folgenden dreihundert Seiten steht, müssen Sie nicht wissen". Ein Handbuch der Halbbildung.

Von Schönburg unterscheidet Pauschalthemen (gehen immer), Jokerthemen (beleben das Gespräch durch kleine Provokationen) und Chloroformthemen (befrieden einen Disput und stellen Konsens her). In Kategorie eins fallen Fußball, moderne Kunst und Luxushotels ("Die Grandhotels der Metropolen sind streng genommen nichts weiter als palastartige Riesenbordelle"). In Kategorie zwei Homosexualität, Buddhismus und Quantenphysik ("Es ist so gut wie unmöglich, die Quantenphysik wirklich zu verstehen. Das macht sie als Smalltalk-Thema unverzichtbar"). In Kategorie drei Fernsehserien, Steuern und Helmut Schmidt ("der fleischgewordene Grundkonsens").

Von Schönburg schreibt in einem unangestrengten Plauderton, als smalltalke er mit sich selbst, und wenn er doch mal ins Dozieren gerät, platziert er rasch ein Bonmot. So schummelt er sich durch die größten Themen, ohne viel zu sagen, aber auch ohne zu langweilen.

Der Smalltalk auf einer Party lebt von der Lust an der Zuspitzung, und davon lebt auch dieses Buch. Abends hat man zwei, drei unterhaltsame Stunden mit ihnen, am folgenden Tag erinnert man sich an nichts mehr. Aber nett war's.