Asterix Das populäre Outing der Althistoriker
Mannheim - Die große Welt des kleinen Galliers hat gestandene deutsche Althistoriker so begeistert, dass sie sich unter dem Titel "Asterix und seine Zeit" als Anhänger der auf den ersten Blick wenig antiken Sprechblasen-Abenteuer outeten.
"Asterix hat mehr dazu beigetragen, die Welt der Antike im Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu erhalten als viele mehr oder weniger gelehrte Spezialveröffentlichungen", behauptet der Mannheimer Althistoriker und Herausgeber Kai Brodersen im Vorwort zum neuen Werk.
Ursprünglich gab es zwischen dem seit mehr als 30 Jahren in Deutschland populären Comic und der Fachwissenschaft einen "großen Graben" - getreu einem Titel der jüngeren Abenteuer rund um Hinkelsteine, Cervisiaruhe und Zaubertrank. "Aber die Alte Geschichte ist kein Buch mit sieben Siegeln", begründet Brodersen die Initiative zum neuen Buch. "Gerade in unserem Bereich müssen wir die Leute eben dort abholen, wo sie stehen, und dann nicht nur für Asterix, sondern auch für unser Fach begeistern."
Wissenschaftliche Betrachtung - ganz ohne Fußnoten
Gesagt, getan: "Asterix und seine Zeit" präsentiert sich auf 241 Seiten in flotter Schreibe, nicht immer bierernst und "vor allem ohne Fußnoten", wie Brodersen betont. So schildert der Würzburger Archäologe Ulrich Sinn, wie die versammelte Kollegenschar vor Ort im griechischen Olympia das Heft verschlang und sich dann fragte, auf welchem Wege Zeichner Albert Uderzo und Texter René Goscinny an die Informationen und Details gekommen sein könnten. Sollte tatsächlich ein ausgewiesener Archäologe als Spion und Berater für einen Comic gearbeitet haben?
Die Übersetzerin der weitaus meisten Bände, Gudrun Penndorf, erzählt zudem "Schmankerl" aus ihrer Werkstatt. Der Bonner Althistoriker Wolfgang Will befasst sich mit den Galliern und ihren Nachbarn, während sein Berliner Kollege Werner Dalheim die Gallier augenzwinkernd in die Neue Welt begleitet. Caesar und Kleopatra mit ihrer nur angeblich "schönen Nase" werden im Sammelsurium der Aufsätze ebenso ins historisch rechte Licht gerückt wie die keineswegs stets bockshornigen Piraten, die brauenden Druiden und die trällernden Barden.
Jung und Alt begeistern sich gleichermaßen für die Gallier
Potenzielle Leser dieser Geschichten und Ansichten gibt es nach Einschätzung Brodersens genug. "Junge Leute lesen die Hefte als Comic, und auch bei Alten geht die lange Zeit mit den Comic-Galliern nicht mehr raus aus der Wäsche", meint er. So werde ein "Asterix"-Heft auf verschiedenen Ebenen gelesen: "Mein kleiner Sohn freut sich über die Kloppereien zwischen Galliern und Römer, ältere Asterix-Freunde schmunzeln wegen der zahlreichen Verulkungen."
Und auch in der Wissenschaft verdient sich das Trivialepos um den gallischen Antihelden seine Lorbeeren. "Für viele Menschen bedeutet das Leben im gallischen Dorf eine der ersten Begegnungen mit der Welt, mit der sich die Altertumswissenschaft befasst", sagt Brodersen. Die Panoramen von Städten geben dem Laien eine Sicht auf das, was heute nicht mehr zu fassen ist. Schlachtszenen wie zum Beispiel die Schildkröten der römischen Legionären kommen für viele erst durch "Asterix" voll ins Bild - beim Teutates.
Von Martin Oversohl, dpa
Kai Brodersen (Hg.): "Asterix und seine Zeit. Die große Welt des kleinen Galliers".
Verlag C.H. Beck, München 2001; 241 Seiten mit 85 Abbildungen: 19,90 Mark.