Ausstellung : 50 Jahre rororo - DER SPIEGEL
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Ausstellung 50 Jahre rororo

Zum 50-jährigen Bestehen des Rowohlt Taschenbuch Verlages zeigt das Hamburger Museum der Arbeit die Ausstellung "50 Jahre rororo - die Welt in der Tasche". Eine Zeitreise durch 50 Jahre Lesekultur in Deutschland.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - "Für viele Gäste wird der Besuch der Ausstellung auch ein Weg zurück in die eigene Biografie sein", sagt Josef Spiegel von der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen. Gemeinsam mit dem Rowohlt Taschenbuch Verlag und Jürgen Bönig vom Museum der Arbeit hat Spiegel die Ausstellung gestaltet. Sie gliedert sich in mehrere Bereiche, beginnend mit drei chronologischen "Vorausabteilungen". Eine davon gibt einen Überblick über die verschiedenen Klassiker des Taschenbuchverlags und stellt die "Meilensteine: 1950 - 2000" vor.

Dabei wird die Erstausgabe von 1950 neben die aktuelle Ausgabe gestellt und dem Betrachter zum ästhetischen Vergleich angeboten. Dazu gehören Klassiker wie Bruno Travens "Die weiße Rose", Samuel Becketts "Murphy", Arthur Millers "Brennpunkt" oder Heinrich Manns "Professor Unrat". Eine andere Rubrik zeigt die "Millionen-Seller", allen voran "Der Richter und sein Henker" von Friedrich Dürrenmatt, der rund 3,7 Millionen Mal über den Ladentisch gegangen ist, gefolgt von "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert (rund 2,4 Millionen verkaufte Exemplare) und "Vorstadtkrokodile" von Max von der Grün (1,54 Millionen Exemplare).

Auch den Nobelpreisträgern, die dem Verlag verbunden sind, widmet die Ausstellung eine eigene Abteilung: Von Sinclair Lewis, Knut Hamsun, Pearl S. Buck und Ernest Hemingway über William Faulkner, Albert Camus, Jean-Paul Sartre und José Saramago bis zu Claude Simon, Yasunari Kawabata und Isaac Bashevis Singer.

Schließlich gliedert sich die Ausstellung in die Jahrzehnte von den 50er Jahren bis zum Jahr 2000 und macht auch nicht vor den so genannten Tabubrechern und Diskussionsbänden halt, die auf dem Index standen. Dazu zählen "Lady Chatterley" von D. H. Lawrence, "La Noia" von Alberto Moravia oder die "Aufklärungsbücher" von Nancy Friday wie "Die sexuellen Phantasien der Frauen" und die "Sexuellen Phantasien der Männer", die 1985 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert wurden.

Die Ausstellung gibt einen umfassenden Überblick über die Entwicklung des Taschenbuchs, das den deutschen Buchmarkt revolutionierte, indem es auf preiswerte Weise den Bildungshunger breiter Leserschichten stillte: von der Belletristik über das Sachbuch bis zu den Reihen wie "Deutsche Enzyklopädie", "Monographien" oder "rororo aktuell", die zum Forum der Studentenbewegung von 1968 wurden. Es folgten Thriller, Theaterstücke, Reihen für bewegte Männer und Frauen, Sprachen, Computer und Medizin. Bis heute sind rund 15.000 Titel mit einer Gesamtauflage von 525 Millionen erschienen.

Zum Jubiläum hat der Rowohlt Taschenbuch Verlag eine illustrierte Chronik "50 Jahre rororo" herausgegeben.

Herdis Lüke