Berlin: Letztes Geleit für Christa Wolf
Berlin Bewegender Abschied von Christa Wolf
Berlin - Unter großer Anteilnahme ist die Schriftstellerin Christa Wolf am Vormittag in Berlin beerdigt wurden. Auf dem Berliner Dorotheenstädtischen Friedhof nahmen die Familie, Freunde und Bekannte Abschied. Wolf war am 1. Dezember nach schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren gestorben. Hunderte weiterer Trauergäste verfolgten vor der Kapelle trotz strömenden Regens die Übertragung der Feier über Lautsprecher. Vor den Kondolenzbüchern bildeten sich zudem lange Schlangen.
Wolf galt als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen der Nachkriegsgeschichte. Einem breiten Publikum wurde Wolf mit ihrem Roman "Der geteilte Himmel" über die Problematik des geteilten Deutschlands bekannt. Endgültig etablierte Wolf sich mit dem Roman "Nachdenken über Christa T." von 1968. 1976 beteiligte sich Wolf an den Protesten gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Am 4. November 1989 trat sie als Rednerin bei der Großdemonstration gegen die Staatsführung auf dem Berliner Alexanderplatz auf.
Zu der Trauerfeier waren unter anderem Literatur-Nobelpreisträger Günther Grass, Linken-Politiker Gregor Gysi, Schauspielerin Corinna Harfouch, Musiker Andrej Hermlin, DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse gekommen. Als Trauerredner sprachen Harfouch sowie der Schriftsteller Volker Braun und Jana Simon, die Enkelin von Wolf.
Zu Beginn der Feier trug Harfouch das Gedicht "An sich" von Paul Fleming vor. "Sei dennoch unverzagt, gib' dennoch unverloren, weich keinem Glücke nicht", sagte die Schauspielerin mit Tränen erstickter Stimme. Dann erklangen zwei Lieder aus Schuberts "Winterreise", gesungen von Matthias Goerne.
"Würde und Selbstbewusstsein für die deutsche Literatur"
In den anschließenden Reden bezeichente Braun Wolf als "die Hoffnungsvolle, die Zweifelnde", die immer wissen wollte, "wer sie ist". Die Schriftstellerin habe ein tätiges, reiches Leben geführt, hätte sich nicht einschränken lassen. "Sie ging bis an die Grenze, an der man sich selbst als Fremder entgegenkommt", so Braun. Auch nach dem Umbruch wäre sie voller Neugier geblieben. Der deutschen Literatur habe sie "wie wenige Würde und Weltbewusstsein gegeben", erklärte der Dramatiker. "Wohl nie hat so viel Liebe eine Tote zum Grab geleitet."
Zugleich erwähnte der Dramatiker die zahlreichen Debatten, die um Wolfs Persönlichkeit entbrannt waren, nicht zuletzt, als 1993 ihre kurzzeitige, aber als harmlos eingestufte Mitarbeit für die DDR-Staatssicherheit bekannt wurde. An Christa Wolf habe sich die Öffentlichkeit gerieben: "In ihr Fleisch schnitten die Schmähungen ein."
"Du hast immer etwas gewollt, und das möglichst mit vielen gemeinsam", sagte Jana Simon, die in einer bewegenden und persönlichen Rede Abschied von ihrer Großmutter nahm. Das überernste Bild, dass von Wolf in der Öffentlichkeit gezeichnet wurde, hätte nur unzureichend wiedergegeben, "wie wir dich erlebt haben". Sie wäre stolz, so Simon, dass Wolf die Kraft gehabt hatte, die Kämpfe ihres Lebens zu bestehen. "Du warst und bist eine besondere Oma. Du fehlst."
Nach der Trauerfeier wurde der Sarg zum Grab geleitet, das in der Nähe des Schriftstellers Stephan Hermlin und des Journalisten Günter Gaus liegt. Trauernde legten rote und weiße Rosen und Nelken nieder. Für Dienstagabend ist eine Gedenkveranstaltung der Akademie der Künste geplant, bei der unter anderem Witwer Gerhard Wolf und Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sprechen werden.