Buchhandel: Alle lesen Harry - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Buchhandel Alle lesen Harry

Zwei prominente Romanfiguren verhalfen dem Buchhandel in Großbritannien zu einem Rekordjahr: Harry Potter und Bridget Jones. In Deutschland fällt die Bilanz für das Jahr 2001 dagegen eher mager aus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Zauberlehrling und die chaotische Single-Frau bewiesen sich nicht nur an den Kinokassen, sondern auch in den britischen Buchläden als Verkaufsschlager. Erstmals stieg der Bücher-Umsatz in Großbritannien über eine Milliarde Pfund (1,62 Milliarden Euro). Zu den Top-Sellern 2001 zählten nach einer Studie des Whitaker Book Track die ersten vier Harry-Potter-Bände - von denen sich jeder einzelne rund 800.000 Mal verkaufte - sowie Helen Fieldings "Tagebuch der Bridget Jones".

Die Zahlen beinhalten nach Auskunft des Book Track, der rund 80 Prozent des britischen Buchhandels kontrolliert, die Verkäufe in Buchläden sowie über das Internet. Vor allem nach dem Erscheinen des Harry-Potter-Films in den Kinos sei die Nachfrage nach dem ersten Band "Harry Potter und der Stein der Weisen" explosionsartig gestiegen, berichteten Buchhändler gegenüber "BBC online". Insgesamt gaben die Briten im vergangenen Jahr allein in den regulären Buchläden rund 2,6 Prozent mehr für Bücher aus als 2000.

Kein Rekordjahr kann hingegen der Deutsche Buchhandel verzeichnen. Nach ersten Schätzungen sei der Umsatz lediglich um ein Prozent gestiegen, sagte der Pressesprecher des Börsenverlags des Deutschen Buchhandels, Eugen Emmerling. Vor allem das Weihnachtsgeschäft sei "nicht überragend gelaufen", sagte der Sprecher. Die Verfilmungen von "Harry-Potter" und "Herr der Ringe" hätten zwar die Verkaufszahlen der entsprechenden Bücher nochmals angeheizt, darüber hinaus hätten die Kunden jedoch "nicht viel zur Kenntnis genommen".

Erfolg hätten vor allem Bücher, die in den Medien prominent angekündigt würden oder durch ihre Verfilmung einem großen Publikum zugänglich gemacht würden, berichtete der Sprecher. "Die Kunden nehmen sich immer weniger Zeit, auch einmal außerhalb des Mainstreams zu suchen."