Bücher Jan Peter Bremer
Jede Unterbrechung ist ihm willkommen. Kaum hat der Schriftsteller im Café Platz genommen und mit großer Geste einen Stift aus dem Etui gezogen, lässt er sich durch den Kellner vom ersten Satz abhalten. "Möchten Sie etwas trinken?" "Kaffee", antwortet er, "viel Kaffee, bitte." Vor ihm auf dem Tisch liegt ein Stapel leerer Postkarten. Darauf will er seinen Roman schreiben und ihn an einen imaginären Freund richten wenn das keine Idee ist. "Sobald man sich unter den Zwang einer Idee stellt, verliert man seine Lockerheit", sagt Jan Peter Bremer, 34. Er ist Schriftsteller und hat sich den Schriftsteller mit der Idee ausgedacht, als Helden seines neuen Buchs "Feuersalamander". Im Gegensatz zu ihm hat Bremer wenig Interesse daran, sich und der Welt die Rolle des Literaten vorzuspielen. Und er hat es auch nicht nötig. 1996 gewann er den Ingeborg-Bachmann-Preis, und "Feuersalamander" wurde in der "FAZ" vorabgedruckt, verbunden mit dem Lob: "Dieser Dichter ist ein Chaplin der Feder." Sein vorheriger Roman "Der Fürst spricht" war ein literarisches Marionettentheater, bei dem er die Figuren virtuos an ihren Fäden zappeln ließ. Ein geschlossenes System, das nach Bremers eigenen Regeln der Kunst funktioniert. "Mein Problem war: Wie komme ich mit dem neuen Buch aus diesem selbstgebastelten Käfig raus?" Er ist der Leichtigkeit seiner früheren Bücher treu geblieben, hat aber deren Hermetik durchbrochen. Bremer balanciert die Geschichte des selbstverliebten Schriftstellers wie einen Stuhl auf zwei Beinen, er kippelt und vollführt Kunststücke, kommt aber auf den 112 Seiten niemals zu Fall. "Ganz schön lang" findet er sein Buch, was es, verglichen mit früheren Werken, auch ist. "Wenn allerdings Reich-Ranicki im 'Literarischen Quartett' den großen Wenderoman fordert, treibt mir das etwas den Angstschweiß auf die Stirn." Nicht nur, weil "Feuersalamander" kein Wälzer ist, auch weil der Autor das Wort Berlin bisher höchs-tens "auf Meldezettel" geschrieben hat. Die Stadt, in der er zu Hause ist, sei für seine Literatur bisher einfach zu groß. Für sein Leben ist sie allerdings gerade groß genug. Als seine Eltern ihn mit sechs nach Lüchow-Dannenberg verpflanzten, sehnte er sich inbrünstig hierher zurück. Allerdings trug das überschaubare Landleben dazu bei, dass er seine ersten Geschichten schrieb und bereits mit 13 Schriftsteller werden wollte. "Ich habe mir das damals natürlich ganz anders vorgestellt." Mehr so, wie der Mann im Buch sich das anfangs noch denkt. Dessen künstlerisches Schicksal nimmt ein rasches und gnadenloses wenn auch gnadenlos komisches Ende. Bremers Weg dagegen wird noch weit führen. Claudia Voigt
"Feuersalamander". Berlin Verlag; 112 Seiten; 28 Mark. Erscheint am 1.2.