Comic "Exterminators" Von Schaben und Menschen
"Es geht um ein Team von Leuten mit besonderen Fähigkeiten, die für das Gute kämpfen. Und darum, was dieser Kampf sie persönlich kostet." So heißt es im Vorwort von "Exterminators". Alles klar, mal wieder eine neue Superheldenserie mit Realitäts-Einsprengseln und rudimentärem psychologischem Tiefgang, naja.
Eben nicht: Auf dem Cover prangt eine riesige Schabe, und die Helden sind mehr oder weniger normale Menschen. Ihre Gegner sind Spinnen, Ratten und vor allem Küchenschaben. Eine Comicserie um Kammerjäger und ihren heroischen Kampf mit Schädlingen also. Klingt noch öder? Von wegen! "Exterminators" - in den USA beim Qualitäts-Imprint Vertigo erschienen und zu Unrecht im Schatten der erfolgreichen Verlags-Serien wie "Y - The Last Man" oder "100 Bullets" - bietet allerfeinste abgründige Unterhaltung.
Henry James, gerade aus der Haft entlassen, bekommt seine Chance auf Rehabilitation - sein Stiefvater gibt ihm einen Job als Schädlingsbekämpfer bei "Bug-Bee-Gone". Henrys Beziehung zu seiner Freundin Laura, die im Vorstand eines Industriekonzerns Karriere macht, kriselt. Ein Sozial- und Beziehungsdrama also? Auch. Autor Simon Oliver hat eine originelle, facettenreiche, manchmal ziemlich eklige und bitterböse Geschichte mit faszinierenden Charakteren ersonnen: Henrys Kammerjäger-Kollege Stretch ist ein buddhistischer Cowboy, der Zen-Weisheiten zitiert. Ein anderer kämpft im Outfit mexikanischer Wrestler mit Ratten, der dritte jagt sich Insektengift in die Venen. Dubiose Ärzte mit Nazi-Vergangenheit treten auf, kriminelle Vermieter und literarisch interessierte Huren, die über den feministischen Subplot von "Vom Winde verweht" diskutieren.
Es geht um Verschwörungstheorien, intrigante Großkonzerne, Drogenmissbrauch, Bandenkriminalität, menschliche Abgründe, Beziehungen, Sex und Freundschaften. Außerdem geht es um ägyptische Gottheiten und mutierte Küchenschaben, die einen Guerillakrieg gegen die Menschheit führen. Oder - wie es Oliver formuliert - um die menschliche Natur und die feine Linie zwischen unsere Zivilisation und dem Chaos der Natur. Ein wunderbar wüster Genre-Mix.
Oliver, ein TV-Autor, hatte "Exterminators" ursprünglich als Plot für eine Fernsehserie geschrieben, dann aber entschieden, dass die Geschichte im Comic besser aufgehoben wäre. Mal sehen - mittlerweile haben sich der amerikanische Sender Showtime und "Dexter"-Produzentin Sara Colleton die Fernsehrechte an "Exterminators" gesichert.
Comic "Exterminators" - Aufstand der Schaben. Text: Simon Oliver, Zeichnungen: Tony Moore, Chris Samnee; Panini, 128 Seiten, 16,95 Euro.