Comic-Superhelden Ein entstelltes Gesicht machen
Gelungene und erfolgreiche Verfilmungen von Superhelden-Comics sind zunächst mal eine feine Sache - der Fan freut sich, seinen Lieblingshelden bewegen und dreidimensional auf der Leinwand goutieren zu können, der zugehörige Verlag zündet Kerzen an ob des gesteigerten Popularitätswerts seiner Figur.
Genau hier fangen allerdings auch die Probleme an: Häufig verfallen Verlage und Künstler angesichts eines Comic-Kino-Blockbusters in Aktionismus - händeweise werden Sonderveröffentlichungen von oft eintöniger und fragwürdiger Qualität auf den Markt geworfen. Die Gunst der Stunde und des Käufers soll ja genutzt werden, und der Comic-Held - das Original also - wird kurzerhand der populären Kinovariante angepasst. Nicht immer mit Gewinn für die jeweilige Serie.
Besonders plakatives Beispiel für den Einfluss des Kinos auf den Comic ist "Batman - Joker". Zeichner Lee Bermejo hat die grafische Darstellung seines Titelschurken sehr eng an den gestorbenen Heath Ledger in "The Dark Knight" angelehnt. So verstörend Ledger den Filmjoker auch gegeben hat, nötig wäre die Gesichtskorrektur nicht gewesen. Schließlich verfügt der Comic über seine eigenen, besonderen grafischen Möglichkeiten und eine eigene Figurenhistorie.
Zumal die von Autor Brian Azzarello - Erfinder der fulminant-düsteren Krimiserie "100 Bullets" - erdachte Geschichte um einen Kleinganoven, der zum Helfer des Joker aufsteigt, spannend erzählt ist und solche Mätzchen gar nicht nötig hat. Glücklicherweise ist Batman bei Azzarello nur Randfigur, so bleibt dem Leser immerhin Bruce Wayne als Christian-Bale-Klon erspart.
Besonders mit dem Kinostart von "X-Men Origins - Wolverine" kommt nun auch einiges auf die Fans zu. Der cholerische Mutant aus Kanada gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten und umtriebigsten Figuren im Universum von Marvel Comics. Zum Filmstart (29. April) wirft der deutsche Verlag daher gleich mehrere Titel mit dem klauenbewehrten Helden auf den Markt.
Neben dem Neustart der monatlichen Wolverine-Reihe und "Wolverine - Ultimate Origins" wird zum wiederholten Mal das - zugegebenermaßen sehr lesenswerte - "Waffe X"-Opus von Barry Windsor-Smith veröffentlicht. Der Band erzählt von den qualvollen Experimenten, die Wolverine zum Superhelden machten und dient als lose Vorlage für den Film.
Auch "Wolverine - Logan" von Brian K. Vaughan - Autor der grandiosen Serie "Y - The Last Man" - und Eduard Risso passt in den Reigen. Vaughan schickt den Helden, wie schon Legionen von Autoren vor ihm, auf eine Reise in die Vergangenheit. Er erzählt stimmungsvoll, allerdings ohne der Figur eine neue Facette hinzuzufügen. Wenigstens lässt Zeichner Risso Wolverine nicht wie Schauspieler Hugh Jackman aussehen.
Comics Brian Azzarello, Lee Bermejo Panini: "Batman Joker"; Brian K. Vaughan, Eduardo Risso: "Wolverine - Logan"; Barry Windsor-Smith: "Waffe X" (alle drei erschienen bei Panini Comics , Nettetal).