Comics in Leipzig: Mangas und Monokultur - DER SPIEGEL
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Comics in Leipzig Mangas und Monokultur

Comics in Leipzig - das heißt auch im vierten Jahr des Bestehens der Comicabteilung der Leipziger Buchmesse vor allem Entertainment und Konzentration auf den Schwerpunkt Manga. Hauptattraktion ist dabei der Auftritt von Akira Toriyama, einem der berühmtesten Comiczeichner der Welt.
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Er ist eines der Highlights der diesjährigen Buchmesse. Auch wenn es möglicherweise nicht allzu viele Besucher mitbekommen werden. Akira Toriyama, Schöpfer von "Dragonball" und möglicherweise bestverdienender Comiczeichner auf diesem Planeten, wird einige seiner inzwischen seltenen Auftritte außerhalb Japans auf der Leipziger Buchmesse absolvieren.

Toriyamas "Dragonball" ist nicht nur einer der erfolgreichsten Comics weltweit (inklusive einer in praktisch allen Ländern der Erde permanent ausgestrahlten, über 500-teiligen Zeichentrickserie und einem schier unendlichen Merchandise-Katalog dazu), sondern auch ursächlich mitverantwortlich für den deutschen Manga-Boom. 1996 hatte der Hamburger Carlsen-Verlag "Dragon Ball" als erste der inzwischen unzähligen Taschenbuch-Comicreihen aus Japan gestartet. Der Erfolg des Formats rief sehr schnell Folgeserien und Nachahmer in anderen Verlagen auf den Plan. Inzwischen sind Mangas das bei weitem erfolgreichste Comicformat im deutschsprachigen Raum.

Insgesamt vier Mal wird sich Toriyama in Leipzig öffentlich zeigen. Besonders spannend: Neben einem einstündigen Auftritt mit Fragerunde (die Fragen der Fans wurden von Carlsen bereits vorab gesammelt und sortiert) wird Toriyama einen kurzen Zeichenkurs leiten. Außer diesen relativ offenen Veranstaltungen wird es zwei weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit laufende Signierstunden geben. Die Hälfte der zweihundert Eintrittskarten für diese Events wurden bereits vorab verlost. 100 weitere Karten wird es auf der Buchmesse zu gewinnen geben. Bei all dem wird Toriyama permanent durch Security fast hermetisch abgeschirmt. Bildaufnahmen des extrem öffentlichkeitsscheuen Zeichners sind nicht gestattet.

Trotz der allein durch solches Brimborium hohen Werbewirksamkeit gestaltet sich der Starbesuch für den ausführenden Carlsen-Verlag als Zitterpartie: "Sollte während einer der Veranstaltungen fotografiert werden, hat man uns versichert, wird Akira Toriyama aufstehen und gehen", so Franziska Siehndel vom Carlsen Verlag. Man werde auf jeder der Veranstaltungen gezielt darauf hinweisen.

Mit Comics hat das nichts zu tun

Anders als das wie immer üppige literarische Rahmenprogramm der Leipziger Buchmesse bietet die Comic-Ecke auch dieses Jahr eine reine Monokultur. Einmal mehr liegen die absoluten Schwerpunkte auf Mangas und auf purem Entertainment. Comics abseits der japanischen Schule wirken dagegen wie ein ungewolltes Stiefkind und werden weitgehend ausgeblendet. Zwar dominieren Signierstunden einheimischer Comiczeichner wie Mawil ("Wir können ja Freunde bleiben", Reprodukt) und Zeichenkurse den Veranstaltungskalender. Viel Platz im Programm nehmen auch Veranstaltungen ein wie die mehrmals täglich stattfindenden Fantasy-Rollenspielrunden, Einführungen zum bei Manga-Fans sehr beliebten japanischen Brettspiel Go oder die Durchführung einer japanischen Teezeremonie. Das mag publikumswirksam sein. Mit Comics hat es nichts zu tun.

Künstlervorstellungen, Kritikerrunden und ähnliche, das Medium in seiner ganzen Breite und Tiefe präsentierende Veranstaltungen sucht man dagegen fast vergeblich. Zum Vergleich: Auf der Frankfurter Buchmesse sind solche ernsthaften Schwerpunkte als Gegengewicht zum Entertainment bereits seit Jahren gang und gäbe.

Im Zentrum der Vor-Ort-Aktionen steht neben dem Toriyama-Besuch indes einmal mehr die Bekanntgabe des Gewinners des alljährlichen Manga-Zeichenwettbewerbes. Mehrere tausend Fans nehmen hier jede Jahr teil. Wer es trotz des hohen Konkurrenzdruck auf einen der vorderen Plätze schafft, hat Chancen auf Starruhm. Zumindest innerhalb der Comicszene. Wie die 20-jährige Christina Plaka, Gewinnerin von 2002, die inzwischen professionell bei Carlsen veröffentlicht. Ruhmes-Garantien gibt es freilich keine. Die Gewinner des Vorjahres jedenfalls sind seitdem eher unauffällig geblieben.

Carlsen versus Tokyopop

Erstmals wird diese Veranstaltung übrigens nicht vom ehemaligen Carlsen-Comics-Chef Joachim Kaps moderiert werden. Da es mit dem Verlag zu keiner Einigung über die zukünftige inhaltliche Ausrichtung von Carlsen Comics kam, ist Kaps im Dezember aus dem Haus ausgeschieden. Es war nicht zuletzt das Engagement von Kaps, dass Carlsen in den letzten Jahren zum Comic-Marktführer machte - insbesondere im Manga-Bereich. Zusammen mit einer Handvoll weiterer zentraler Carlsen-Mitarbeiter, deren Ausstieg aus dem Verlag erst wenige Tage vor der Buchmesse bekannt wurde, wird sich Kaps in den nächsten Monaten dem Aufbau der deutschen Abteilung des US-Manga-Verlages Tokyopop widmen, dem der derzeit wichtigsten nordamerikanischen Manga-Verlag.

Welche Auswirkungen das auf Carlsen und auf den hiesigen Comicmarkt allgemein haben wird, lässt sich vor dem kommenden Herbst nur schwer abschätzen. Abzuwarten bleibt, welche Reaktionen die Entscheidung der Messeleitung hervorruft, in der Comicabteilung dieses Jahr erstmals den Direktverkauf durch Verlage offiziell zu gestatten. Gespannt sein darf man vor allem das Feedback der Buchverlage. Gilt doch die neue Regelung ausschließlich für Comicverlage. Belletristik und Sachbücher dürfen auf der Messe weiterhin nur in der Messebuchhandlung verkauft werden. Der Direktverkauf von Comics sei, so Pressereferentin Susanne Heusler, "auf Comicmessen schon lange üblich".

Aussteller wie etwa den Verlag Thomas Tilsner bringt das in absurde Situationen. Mit Comics wie dem verfilmten "League of Extraordinary Gentlemen" hat der ein festes Standbein in der grafischen Literatur, gleichzeitig aber auch über das assoziierte Archiv der Jugendkulturen eine beachtliche Zahl an Sachbüchern im Angebot. Den Direktverkauf mit Umgehung der sonst üblichen Buchhandelsspanne will man sich nicht entgehen lassen. "Wir werden die Comics am Stand ganz groß präsentieren", so Verlagsmitarbeiter Matthias Rottler, "und die anderen Bücher eher klein."

Der Branchenriese Egmont-Ehapa, unter anderem zuständig für sämtliche deutschsprachigen Disney-Comics, klinkt sich aus dem Verkaufsgeschäft dagegen ganz aus. "Für uns wäre die Logistik viel zu aufwändig", sagt Anne Schmittlutz vom Verlag. Den Verkauf vor Ort wird man auch weiterhin den anwesenden Comichändlern ganz überlassen.

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