Das 22-Stunden-"Gretchen" Dorothee Hartinger erhält Kritikerpreis
Berlin - Mit ihrer Rolle als Gretchen in Peter Steins 22-Stunden-"Faust"-Inszenierung hat sich Dorothee Hartinger für die Auszeichnung im Bereich Theater qualifiziert. "Als fast einzige im Ensemble" breche sie den Text immer wieder auf, und setze die Worte gegen die Konvention der Gretchen-Szenen.
Doch nicht allein Steins "Gretchen" wurde geehrt: Insgesamt acht undotierte Auszeichnungen des Verbandes der deutschen Kritiker wurden während des 38. Theatertreffens in Berlin verliehen.
Kriegsberichterstatterin Sonia Mikich erhielt den Kritikerpreis Fernsehen. Als Reporterin der WDR-Auslandsredaktion versuche sie, in Krisengebieten Widersprüche aufzuspüren und differenzierende Grautöne gegen Schwarz-Weiß-Klischees zu setzen, bescheinigten ihr die Kritiker. Erika Richter, viele Jahre Dramaturgin der DEFA, wurde für ihre Verdienste um den Film und die Filmpublizistik ausgezeichnet. Sie verantwortet die Zeitschrift "Film und Fernsehen".
Die Auszeichnung für Architektur ging an das Büro Wandel Hoefer Lorch + Hirsch aus Saarbrücken und Frankfurt am Main. Das Architektenteam bekam den Preis für den Neubau der Synagoge in Dresden und zwei Erinnerungsprojekte: die Gedenkstätte Neuer Börneplatz in Frankfurt am Main und die Installation "Gleis 17" in Berlin-Grunewald.
Im Bereich Bildende Kunst wurde der Preis Leiko Ikemura verliehen. Ihre "bemerkenswert klaren, farblich spannungsreichen Bilder" seien getragen von der "Vision einer Welt der Synthese von Sinnlichkeit und Intellekt, von Männlichem und Weiblichem, von östlichem und westlichem Denken und Empfinden", begründet der Verband die Wahl.
Als "eine der innovativsten Lyrikerinnen der Gegenwart und eine ausgezeichnete Essayistin und Prosaautorin", beschrieb der Kritikerverband Kathrin Schmidt. Der Preis für Literatur solle der jungen Schriftstellerin "Mut machen, ihre witzigen Figuren auch künftig über raffinierte Versbrüche springen zu lassen und durch die Kapitel des nächsten Romans".
Das Artemis-Quartett bekam den Musik-Preis. Das junge Streichquartett sei auf "höchstem technischen Niveau" der Darstellung "des musikalischen Gedankens verpflichtet", lobte die Jury. "Technisch brillant" und mit "echtem Leben gefüllt" sei auch Tänzerin Margret Illman in ihren klassischen und neo-klassischen Rollen. Die gebürtige Australierin bekam dafür den Kritikerpreis in der Kategorie Tanz.