"Desperado" Mein Leben als Terrorist
Was bisher geschah:
Martin hat alles versucht, das Glück zu finden. Aber die Verhältnisse ließen sich nicht austricksen - noch nicht einmal als Outlaw. Selbst Gangster sind letztlich nur Angestellte, die sich unterordnen müssen. Und da begreift der Desperado: Nur eine verwegene, außerordentliche Tat kann ihn befreien.
Mein Leben als Terrorist
Der Wecker klingelt, es dröhnt wie das Lachen eines rachitischen Clowns. Ich hieve mich aus dem Bett, das merkwürdig hoch ist, als sei es über Nacht größer geworden. Oder bin ich geschrumpft? Eigenartig. Vielleicht habe ich Fieber. Im Badezimmer betrachte ich mein Spiegelbild. Die einzige Farbe in meinem Gesicht sind die entzündeten Augenränder. So sieht also ein Vierzigjähriger aus. Ich fühle mich, als hätte etwas Großes mit Stollen untendran auf mir gewendet. Und das an meinem Geburtstag. Warum ist eigentlich Frau Härkle nicht hier? Heute ist doch Dienstag. Der Anrufbeantworter springt an: "Härkle am Apparat, ich kündige. Ihr Lebensstil, also, ich möchte mir das nicht mehr mit ansehen. Außerdem hat mir Zieper ein besseres Angebot gemacht." Zieper? Was hat der denn mit meiner Putzfrau zu tun? Ich will ihn anrufen, aber das Handy ist tot, und ich kriege auch keinen Empfang.
Draußen ist ein trüber, novembergrauer Tag. Dabei haben wir Mai, komisch. Auf der Straße ist niemand zu sehen, die Stille ist gespenstisch. Auch mein Festnetz funktioniert nicht, die Telekom ist wirklich ein Verbrecherverein. Aber ist ja auch egal: Wen sollte ich anrufen? Baravelli, der mich getreten hat, als ich schon am Boden war? Dieser Verräter! Ich hatte so große Hoffnungen in unsere Freundschaft gesetzt. Aber Männer sind genauso korrupt wie Frauen. Jo ist nur auf seine Weibergeschichten fixiert und wie er die nächste Ausstellung kriegen kann. Zieper spannt mir erst Friederike, dann meine Putzfrau aus. Brenner beschmiert seine Angestellten mit dämlicher Durchhalterhetorik, nur, um sie noch besser ausbeuten zu können. Und Ulrich ist ein selbstgerechter Prolet. Bräsig residiert er in seiner Colani-Einrichtungshölle, die Brenda, das Solarium-Wrack, für ihn gestaltet hat.
Und genau dort muss ich auch noch meinen Geburtstag feiern. Meine Mutter hatte darauf bestanden. Das sei das angemessene Ambiente für so einen Tag, man habe genügend Platz und könne mehr Gäste einladen. Geburtstag bei Ulrich: Auf der nach unten offenen Miesfühlskala lässt sich das gar nicht mehr eintragen. Nur, auf mich hört ja niemand. Auch jetzt nicht, als ich nach einem Taxi rufe. Meine Stimme ist aber auch leise und klein, als sei ich geknebelt oder hätte Watte im Mund.
Ich laufe die Bismarckstraße entlang, weil weiter oben, in Richtung Deutsche Oper, noch ein Taxistand kommt. Auf einmal sind überall gestresste Menschen mit verkniffenen Gesichtern, sie haben etwas Amphibisches, Lurchhaftes, winden sich über die Bürgersteige. Also, ich muss wirklich ein Aspirin nehmen, ich fühle mich komisch. Ich komme an Jennys Imbissbude vorbei, und da steht doch tatsächlich der Baron und füttert einen Automaten mit Eurostücken. Sie glänzen aber merkwürdig golden, wie die Taler in den Geschichten von Dagobert Duck.
"Das Leben ist ein Spiel!", rufe ich ihm zu, aber er zuckt nur mit den Achseln. "Das haben Sie mir doch gesagt! Man muss etwas riskieren, den Einsatz erhöhen!"
Der Baron bläht die Nüstern, als nehme er eine Witterung auf. Er hat erstaunlich spitze Zähne. "Irgendwann ist jedes Spiel zu Ende. Man muss wissen, wenn man geschlagen ist", sagt er. Wieder trägt er einen schwarzen Anzug, oder ist es ein Frack? Als er auf mich zukommt, umflattern ihn die Rockschöße wie zwei düstere Schwingen. Dann steht er vor mir, und ich erkenne mich selbst, hineingekrümmt in seine Augenspiegel, eine kleine, verdrehte Figur. "Muss weiter", stammele ich und sitze auch schon in einem Wagen. Es ist der Redakteur, den ich bei Ulrichs Geburtstag kennengelernt hatte. "Was für ein Zufall!", freut er sich und drückt aufs Gaspedal. Kurz scheint die Welt stillzustehen, um dann an uns vorbeizuschießen. Mir ist schlecht, ich frage nach einem Taschentuch oder irgendetwas anderem, worein ich mich notfalls übergeben könne, doch er nimmt gar keine Notiz von mir. Dafür redet er ohne Unterlass, von Facebook und Twitter und dass die Kommunikation vor einem Quantensprung stehe. Ich betrachte sein Profil, das immer spitzer und schärfer aussieht, wie ein sprechender Keil, der in die Wirklichkeit getrieben wird. So muss man sein, begreife ich, um Erfolg zu haben. So und nicht anders.
Wir brausen durch die Straßen, und mir wird immer elender: Die Stadt ist ein Ausbund an Tristesse und Kulturlosigkeit. Shopping-Center und Parkplätze, dazwischen ein Theater oder Opernhaus als kulturelles Feigenblatt. Mehr ist es letztlich nicht. Und die Menschen: Roboter des Konsums, ferngesteuert von der Industrie und ihren PR-Strategen. Von Leuten wie mir. Es ist schon vollkommen in Ordnung, dass ich einsam bin: Meine private Misere spiegelt nur den allgemeinen Verfall.
2
Bei Ulrich empfangen mich wie üblich die Kinder. In ihren Fußballschuhen galoppieren sie heran und treten begeistert nach mir. "Der Schreiberling ist da!", empfängt mich Ulrich, gefolgt von Brenda, deren Teint die Farbe von altem Mahagoni angenommen hat. "Happy Birthday!", sagt sie und zwickt mich in die Wange. Ihr Parfum trifft mich wie ein Uppercut.
Ich werde in den Garten hinausgeschoben, wo alles bereits vorbereitet ist. Brenda hat auf einem Motto bestanden, das sie mir aber partout nicht verraten will. "Du musst selber draufkommen!", sagt sie und lotst mich an einem überdimensionierten Buffet vorbei zum Pool. Das Wasser ist rosa eingefärbt, überall stehen rosa Fähnchen und Fackeln, auch das Personal trägt Pink.
"Rosige Zeiten, was?", sagt Zieper, der plötzlich aufgetaucht ist. Ich hatte ihn gar nicht eingeladen. Ich weiß nicht, was an einer schweren Finanzkrise rosig sein soll, aber hey, wenn du meinst, Zieper, König der Memos und mausgrauen Anzüge, bitte sehr. Ich lächle gequält und stelle mir vor, was das alles gekostet hat: die Band, eine achtköpfige Showkapelle in rosafarbenen Smokings, die Sinatra-Songs verhunzt; die zwei Dutzend Stepkings, die, ebenfalls rosa lackiert, als Stühle dienen. Überall sitzen radelnde Gäste, in nichtssagenden Small Talk vertieft.
"Hier, damit wird es leichter", sagt die Hausangestellte und überreicht mir eine rosa Brille. Aber es ist ja gar nicht das Hausmädchen, sondern Friederike, allerdings mit gefärbten Haaren und einer Dienstmädchenuniform. Sie sieht verrucht aus, ja ordinär, deshalb passt auch Ulrich so gut zu ihr, der gut sichtbar für alle ihren Hintern tätschelt. Sie lässt sich davon jedoch gar nicht beeindrucken, sondern zeigt mir stolz den Verlobungsring, den ihr Zieper geschenkt hat. "14 Karat!", jauchzt sie, dann verschwindet sie mit Ulrich im Haus.
Ich will keine rosa Brille aufsetzen, ich will klarsehen. Ich bin doch jetzt verdammt noch mal 40, ich kann mir nichts mehr vormachen. Und die Bilanz ist erschütternd: Freundschaft? Eine Notlüge, um sich über die grundlegende Einsamkeit hinwegzutäuschen. Eine Zuckerschicht um die bittere Pille der Gewissheit, dass jeder jeden ausnutzt. Familie? Ein Club aufdringlicher Besserwisser, die vom Grad der Verwandtschaft das Recht zur Einmischung ableiten, ein Privatlebenverhunzungsprogramm. Karriere? Gern, wenn man sich abrichten lassen will zur Effizienzmaschine, die sich Profitraten und Umsatzziele als persönliche Wertmaßstäbe zurechtlügt. Und auch wer keine Karriere macht: Unser Leben ist ja eh schon total durchökonomisiert. Das Gewinnstreben dominiert uns bis in die intimsten Regungen hinein, die ganze Gesellschaft ist ein einziges Unternehmen. Wir sind alle Manager unserer selbst geworden, wir investieren in unsere Kreativität, in Beziehungen, und solange die Rechnung aufgeht, umso besser. Nun, in meinem Fall ist sie nicht aufgegangen.
Brenner schwankt auf mich zu, er ist schon ziemlich betrunken, dabei ist es erst vier Uhr. Müsste er nicht irgendwo auf Marbella sein, Dienstboten rumscheuchen und Starlets anbaggern? Nun, das kann er auch hier. Allerdings muss er aufpassen, dass ihm Jo nicht den Rang abläuft beim geschmacklosesten Auftritt des Jahres. Mein sogenannter bester Freund erscheint mit fünf russischen Callgirls im Schlepptau. Sie tragen rosafarbene Phantasieuniformen und durchsichtige Stiefel, ich kann ihre pink lackierten Fußnägel sehen.
"Mein Gott, Jo, sind die denn überhaupt volljährig?", raune ich ihm zu, aber er lacht nur: "Und wennschon. Müssen sie halt noch ein paar Jahre auf die Weide!" Dann zieht er mit seinen Begleiterinnen ab in Richtung Buffet.
Brenner taucht neben mir auf: "Weißduwasdeinproblemis?", fragt er schwankend. Es folgt ein Monolog, von dem ich nur so viel verstehe: Ich, Martin Frielings, sitze auf der Galeere des Lebens am Ruder, während er, Brenner, die Trommel rührt. Ferner sei Friederike ein "süßer Hüpfer", ihr Deostick vermutlich aus Marzipan, warum ich sie eigentlich nicht vernasche. Vor allem die letzte Bemerkung ist mir ungeheuer peinlich, weil Zieper sie mitgehört hat. Es scheint ihm aber gar nichts auszumachen. Er hackt eifrig auf seinen BlackBerry ein.
"Was schreibst du denn da, Jan?", will ich wissen.
"Na, ein Memo von dieser Party! Korrigiere: erlebnisorientierte Gruppenfreizeit mit zielgruppenspezifisch ausgesteuertem Dreiphasenkonzept."
"Und in welcher Phase befinden wir uns gerade?"
"Na, in der finalen natürlich!", gluckst er mit aufgerissenen Augen, zieht sich die Schuhe aus und springt mit Anlauf in den Pool.
Kampf dem Quotenkrampf!
3
Ich fühle mich immer schlechter, vermutlich kriege ich eine Grippe. Muss mich ausruhen, mich einfach ein bisschen hinlegen, am besten in der Bibliothek, da ist es dunkel und ruhig. Für was braucht mein Cousin eigentlich eine Bibliothek? Zur Archivierung von Kontoauszügen? In Gedanken versunken schleiche ich durchs Haus, komme an Ulrichs Arbeitszimmer vorbei. Die Tür steht offen, und ich sehe den Hintern des Gastgebers, eingeklemmt zwischen zwei Frauenbeinen. Wie betäubt betrete ich den Raum. O Gott, es ist Friederike! Sie sieht mich und schreit: "14 Karat!" Auf dem Boden hockt Zieper im triefend nassen Dreiteiler, in der Hand seinen BlackBerry. "Maximaler Zielgruppenkontakt durch gesteigerte Relevanzkompetenz", murmelt er und lächelt dabei versonnen.
Ich fliehe aus dem Zimmer, stolpere durch einen Gang, der immer länger zu werden scheint, je schneller ich laufe. Hier war doch irgendwo dieser Salon mit den großen Sofas. Da, ich stoße die Tür auf und schaffe es gerade noch auf eine gigantische Ottomane, die den Raum beherrscht. Tatsächlich ist sie das einzige Möbelstück in einem ansonsten leeren Zimmer, vermutlich ist Brenda mal wieder in Dekorierlaune. Ich strecke mich aus, und nun erscheint mir das Sofa wie ein gepolsterter Kahn. Ich treibe durch den Raum, der mal weiter, mal enger wird. Jemand ruft meinen Namen, es ist meine Mutter. Sie taucht am Fenster auf, dazu Hossi, ihr Geliebter, den sie an einer Hundeleine hinter sich herzieht. "Maaaaartiiiiiin! Wir finden dich!", ruft sie immer wieder, und ich kauere mich noch tiefer in das Sitzmöbel hinein, das mich auf einmal umschließt wie ein komfortabler Sarg.
Könnte es einen passenderen Ort für mich geben? Ist nicht meine Existenz ein Dahinsiechen mit Lügen und Illusionen gewesen, ein Sterben zu Lebzeiten, ein nutzloses Vegetieren zwischen Entertainment und Konsum? Alle feineren Regungen, der Wunsch nach Wahrheit, die Hoffnung auf Solidarität, hat diese Gesellschaft vollkommen abgetötet. Ich bin vielleicht ein moralischer Schwächling, ein Nichtsnutz, der noch nicht einmal ein Buch zuwege gekriegt hat, aber ist es denn ein Wunder in diesem "Schweinesystem", um mal eine historische Vokabel zu gebrauchen?
Der Ökonomismus ist absolut geworden, es zählen nur noch kommerzielle Interessen. Was nicht effizient ist, geht unter. Die Folgen sind verheerend, man muss sich nur umschauen. Die Innenstädte veröden, überall die gleichen Läden, Starbuck's, Hennes & Mauritz, McDonald's. Die Menschen sind überfordert und niedergeschlagen, der Konkurrenzdruck wächst, aber nur wenige halten mit. Es ist bloß eine Frage der Zeit, bis die Resignation in Reaktion und Populismus, in Fortschrittsfeindlichkeit und Fremdenhass umschlagen wird.
Die Medien sind der perfekte Spiegel dieser Entwicklung: Die Quote regiert, das Programm wird immer flacher, auch bei den Öffentlich-Rechtlichen. Das Billige wird Kult, einfach weil es erfolgreich ist. Der Kapitalismus ohne Konkurrenz gipfelt am Ende im Exzess. Da ideologische Alternativen fehlen, wähnen sich die Macher dieses Gewinnstrebens unbesiegbar. Diese Leute können sich alles leisten, auch eine Weltwirtschaftskrise herbeizuspekulieren und Hunderttausende in den Ruin zu treiben.
Ulrichs Söhne stürmen ins Zimmer. Ich solle nach draußen kommen, man suche mich. Als ich keine Anstalten mache, aufzustehen, sagt der Kleinere: "Der ist hinüber." Ja, denke ich, aber für einen letzten Auftritt reicht es noch.
4
Lange war ich schwach und ängstlich. Meine Tapferkeit bestand nur in Duldung, nicht gegen die Welt kämpfte ich, sondern gegen mich selbst. Doch nun ist der Moment der Rebellion gekommen. Ihr glaubt euch unverwundbar mit eurem Geld, euren Karrieren, euren Statussymbolen. Mir bedeutet dies alles nichts. Solange ich euch und euren Lügen glaubte, war ich unsicher und unbedeutend, ein Niemand, der sich abstrampelte, ein Gewinner zu sein. Doch dieser Weg führt ins Verderben, in die innere Verrottung, die Hölle auf Erden. Wie kann ich euch von eurem Irrglauben erlösen? Ganz sicher nicht durch Reden oder das Schreiben eines Buchs. Nein, man muss euch wachrütteln, ihr müsst schockiert und eingeschüchtert werden. Das ist die einzige Sprache, die euch wirklich erreicht.
Ich stehe auf und gehe ins Bad. Wieder dieses Gesicht im Spiegel, aber diesmal ist es entspannt, der Blick konzentriert. Ein Lächeln umspielt die Mundwinkel. Ich kämme meine Haare, schließe meinen oberen Hemdknopf, streife mein Sakko über. Dann gehe ich nach draußen.
Auf der Terrasse sind alle versammelt: Ulrich (mit geöffnetem Hosenstall), Friederike, betrunken vor sich hin kichernd, meine Mutter und Hossi, der von einem der Barsois beschnüffelt wird, Zieper, das x-te Memo verfassend. Jo schlürft Champagner aus dem Bauchnabel einer Blondine. Auch Baravelli ist da, er jongliert mit Tennisbällen und singt dabei "O sole mio".
"Eine Rede, eine Rede!", skandiert die Menge, und ich nehme in ihrer Mitte Aufstellung. "Eine Rede!" Immer lauter werden die Rufe, steigern sich zum Geschrei. Die Gäste schwingen die Fäuste, stampfen mit den Füßen, eine wahnsinnige Horde, berauscht von ihrer eigenen Gemeinheit.
Ruhig, fast bedächtig, knöpfe ich mein Sakko auf, und der Gürtel mit seinen zwei taschenbuchgroßen Sprengstoffpaketen kommt zum Vorschein. Ich spürte sein Gewicht schon so lange, und jetzt ist er tatsächlich da.
Die Welt der Konflikte und Zweideutigkeiten, der ungelösten Probleme und verwirrenden Fragen geht zu Ende. Denn das, was gleich passieren wird, ist über alle Zweifel erhaben. "Cooles Teil!", sagt Brenda. "Von Prada?"
Dann löscht ein großes Leuchten alles aus.
5
"Er wacht auf!", flüstert eine vertraute Stimme. Langsam nimmt die Welt Gestalt an. Ein Krankenhauszimmer, durch das Fenster scheint die Sonne. Meine Hände, bandagiert und mit Schläuchen versehen. Das Gesicht meiner Mutter. "Martin, Gott sei Dank! Wie konntest du mir so was antun?"
Ich bin am Leben? Wie kann das sein? Und wo sind meine Beine? Mein Gott, ich habe keine Beine mehr!
"Soll ich das Fenster schließen, Frau Decker?", fragt die Krankenschwester.
Decker! Meine Mutter hat meinen Therapeuten geheiratet. Klar, sie hat mein Handy gefunden, und dann kam wie jede Woche sein obligater Anruf, und sie haben sich auf Anhieb gut verstanden. "Dich trifft keine Schuld, Brigitte", wird er gesagt haben. "Es war sein gekränktes Ego, das er in einer grandiosen Aktion heilen wollte. So sind sie nun mal, die Desperados und verzweifelten Glücksucher."
Die Tür geht auf, und Ulrich schiebt einen Stepking herein. "Damit du schneller wieder auf die Beine kommst!", sagt er wohlgemut. Meine Mutter wirft ihm einen strafenden Blick zu, aber er fährt fort: "Mit dem Stepking sitzt du schon morgen wieder fest im Sattel!" Dann klettert er auf das Gerät und beginnt zu strampeln. Die Pedale surren und surren, immer lauter wird das Geräusch. Es schnaubt und dröhnt und rauscht. Bitte aufhören. Ich kann nicht mehr. Bitte! Schluss! Schluss damit!