Dirk Wittenborn: Aufstieg und Ambition - DER SPIEGEL
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Dirk Wittenborn Aufstieg und Ambition

Die USA der Fünfziger, von Dirk Wittenborn erzählt aus Sicht der Psychiatrie.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dirk Wittenborns Vater war Professor für Psychologie in Yale in den frühen fünfziger Jahren, als "die psychiatrischen Krankenhäuser überfüllt" waren "mit verstörten Veteranen" und psychische Anomalien mit einem "vergoldeten Eispickel" geheilt wurden, der "durch den Tränenkanal fünf Zentimeter weit ins Hirn" geschoben und einmal kräftig gedreht wurde.

Von derartigen Zuständen berichtet der Ich-Erzähler in "Casper", der angibt, ebenfalls Sohn eines Yale-Professors für Psychiatrie zu sein, und nun das Leben seines Vaters, Dr. Will Friedrich, erzählen will; dieser Friedrich hat ein offenbar sensationell potentes Antidepressivum entdeckt und es an dem Außenseiter Casper Gedsic getestet. Man kennt diese leichten Verstrickungen zwischen Autobiografischem und Fiktionalem bei Wittenborn.

In "Casper" wird der zu Beginn als Erzähler fungierende Sohn von Dr. Friedrich sehr bald durch einen auktorialen abgelöst, und erst nach 190 Seiten und dem überaus tragischen Ende der Geschichte von Dr. Will Friedrich und seinem Probanden darf der Sohn wieder übernehmen.

Das zuvor Erzählte wird nun neu beleuchtet, und Wittenborn, 55, gelingt so eine geschickte Beschreibung jenes Ostküsten-Amerikas der Nachkriegszeit, als die Medizin in der Pharmazie ein großes Heilversprechen sah. Wie schon in seinem Erfolgsroman "Unter Wilden" geht es auch in "Casper" um das uramerikanische Leitmotiv von Außenseitertum, Aufstieg und Ambition.


Dirk Wittenborn, "Casper". Aus dem Amerikanischen von Angela Praesent. DuMont Literatur- und Kunstverlag, Köln; 420 Seiten; 22,90 Euro