E-Commerce Libro hält sich wieder an Buchpreisbindung
Wien - Ab Montag werde Libro sich wieder an die deutsche Buchpreisbindung halten, kündigte Libro-Chef André Rettberg am Freitag in Wien an. Mehrere deutsche Verlage und Buchgroßhändler hatten die Belieferung von Libro eingestellt, weil die Kette mit Preisnachlässen im Internethandel die Buchpreisbindung in Deutschland unterlaufen habe. Daraufhin kam es zu juristischen Auseinandersetzungen, die zum Teil noch andauern.
Die Anträge auf einstweilige Verfügung gegen den Lieferstopp der Verlage seien hinfällig und würden daher ausgesetzt, sagte Rettberg. Gleichwohl werde der Rechtsstreit mit dem Münchner Piper Verlag und dem Berliner Aufbau-Verlag weitergehen.
"Wir haben unser Ziel erreicht", betonte Rettberg. Einerseits würden sich die Gerichte mit der Sache befassen, andererseits gebe es nun Gespräche mit den Verlagen über günstigere Buchpreise. Die ersten Konzepte sollten noch vor der Frankfurter Buchmesse fertig sein, sagte Rettberg. Die Buchkäufer sollten im 1. Quartal 2001 spürbare Vergünstigungen bemerken.
Volker Neumann, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Bertelsmann, kündigte an, dass der Konzern als größter Lieferant von Libro an diesem Montag die Buchlieferungen wieder aufnehmen werde.
Ungeachtet der Einigung sollen die strittigen Fragen über den grenzüberschreitenden Internethandel sowie der Re-Importe nach Deutschland nach Angaben von Libro vor deutschen und österreichischen Gerichten geklärt werden.
Zahlreiche Verlage hatten ihre Buchlieferungen an Libro zunächst gestoppt, nachdem die Libro-Tochter Lion.cc deutsche Bestseller im Internet bis zu 20 Prozent unter dem festgesetzten Ladenpreis angeboten hatte. Die Verlage sehen damit die nationale Buchpreisbindung unterlaufen. In einigen Fällen hatte die Libro AG über einstweilige Verfügungen eine Fortsetzung der Lieferungen erzwungen, dagegen konnte der Berliner Aufbau-Verlag vor Gericht seinen Lieferstopp verteidigen. Nach Ansicht von Experten ist wegen der sich widersprechenden Gerichtsentscheidungen ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs nötig. Auf europäischer Ebene hat sich Libro über den Lieferboykott bei der EU-Wettbewerbsbehörde beschwert.