Fantasy-Roman Randale im Olymp
Wer zum Olymp will, muss nach Manhattan, New York, zum Empire State Building reisen und dann mit dem Fahrstuhl in den 600. Stock fahren. Vorausgesetzt, der Portier lässt einen gewähren, denn nur der hat die Chip-Karte, die den Weg nach ganz oben freischaltet.
Buchcover "Diebe im Olymp"
Foto: CarlsenNormalsterbliche haben dort, wo die Götter es sich gut gehen lassen, selbstverständlich keinen Zutritt. Man muss schon mindestens ein Halbgott sein, so wie Percy Jackson, Sohn des Meeresherrschers Poseidon.
Jackson muss zum Olymp, um Zeus, dem Chef dort oben, seinen gestohlenen Herrscher-Blitz zurück zu bringen, um einen Krieg der Götter zu verhindern und seine Mutter, eine Kioskverkäuferin, aus dem Reich der Toten zu befreien.
Klingt irre? Ist es auch, denn die Abenteuer von Percy Jackson werden gerade zum großen Fantasy-Buch-Renner. Fünf Bände sind bereits in Amerika erschienen, der letzte mit einer Startauflage von 1,2 Millionen. Dort pilgern jugendliche Fans in griechischen Togen zu Signierstunden des Autors Rick Riordan.
In Deutschland gibt es die ersten drei Percy-Jackson-Bücher zu kaufen (die abschließenden beiden Bände sind für das Frühjahr angekündigt), der Film mit Pierce Brosnan und Uma Thurman ("Percy Jackson - Diebe im Olymp") läuft derzeit recht erfolgreich im Kino.
Dass das Harry-Potter-Publikum neue Helden sucht, zeigen die Verkaufszahlen der Vampir-Kuschel-Bücher von , Eoin Colfers "Artemis Fowl" oder Christopher Paolinis "Eragon". Der Texaner Rick Riordan passt mit seinen Percy-Jackson-Geschichten bestens in das Genre.
Göttlicher Ideenmix
In seinen Geschichten sind die griechischen Götter quicklebendig und lassen sich, in alter Tradition, gern mal mit Menschen ein. Für die Kinder aus solchen ungleichen und verbotenen Beziehungen, gibt es eine besondere Schule, das Camp Half-Blood. Dort landen sie, wenn ihnen aufgegangen ist, dass sie über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen.
So wie Percy Jackson, ein wilder Knabe, der unter einem zänkischen Stiefvater zu leiden hat. Auch er begreift schließlich, dass er etwas Besonderes ist, und nimmt, gemeinsam mit zwei Freunden, eine große Mission an.
Dass Protagonisten und Story mehr als nur dezent an Harry Potter erinnert, gibt der Ex-Lehrer Riordan selbst zu. Aber er beharrt darauf, eine eigene Geschichte erzählt zu haben - und das stimmt. Trotz aller Potter-Ähnlichkeiten sind die Abenteuer von Percy Jackson ein eigenständiges Vergnügen.
Mit Rasanz, Witz und wilder Phantasie hat Riordan diese Bücher geschrieben, an denen Kinder jeden Alters ihren Spaß haben sollten. So brettert Ares, der Gott des Krieges, als unwirscher Rocker auf einem Motorrad durch die Welt, und Dionysos, Gott des Weines und Sohn des Zeus, tritt als launischer Schulleiter mit Alkoholproblem auf.
Faszinierend ist Riordans detaillierte Kenntnis der griechischen Götterwelt, kein Wunder, war der Götterhimmel doch jahrelang sein Unterrichtsstoff. Auch mit Dramaturgie ist Riordan vertraut, denn er ist auch ein erfolgreicher Krimiautor. Nun kombiniert er seine modernen Götter-Märchen virtuos mit spannenden Handlungen.
Und weil er eben Lehrer war, ist ans Ende der Bücher jeweils ein Glossar gehängt, in dem man nachlesen kann, was es mit Athene, Zeus, Nektar und Demeter auf sich hat.
Bücher im SPIEGEL-Shop:
Rick Riordan: "Percy Jackson 01. Diebe im Olymp" , "Percy Jackson 02. Im Bann des Zyklopen" , "Percy Jackson 03. Der Fluch des Titanen" . Aus dem Amerikanischen von Gabriele Haefs. Carlsen Verlag, Hamburg.