Günter Grass: "Ich stehe noch auf beiden Füßen" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Günter Grass "Ich stehe noch auf beiden Füßen"

Ungeachtet aller Kritik an seinem Umgang mit der eigenen Nazi-Vergangenheit will Günter Grass sich weiter zu Wort melden. Das kündigte der 78-Jährige bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Eingeständnis seiner SS-Mitgliedschaft an.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Der Literatur-Nobelpreisträger zeigte sich bei einer Präsentation seiner Jugendmemoiren "Beim Häuten der Zwiebel" in Berlin unbeugsam. "Es ist viel gesagt worden in den letzten drei Wochen. Aber ich stehe noch auf beiden Füßen", sagte Grass bei der Veranstaltung seines Verlags. "Ich werde
auch weiterhin den Mund aufmachen."

Der Schriftsteller ging nicht näher auf die Frage ein, warum er mehr als ein halbes Jahrhundert lang über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS geschwiegen habe, bezeichnete sich aber als Angehöriger einer "Generation, die verführt wurde und sich hat verführen lassen". Seine Glaubwürdigkeit als Mahner gegen den Faschismus sieht Grass offenbar nicht beeinträchtigt. "Was ich gesagt habe, nehme ich kein Stück zurück", sagte er mit Blick auf seine scharfe Kritik an den Karrieren von Politikern mit Nazi-Vergangenheit im Nachkriegsdeutschland.

Grass hatte erst im August in einem Interview zur
bevorstehenden Veröffentlichung seines autobiografischen Romans eingeräumt, Mitglied in der Waffen-SS gewesen zu sein. Das späte Bekenntnis hat eine heftige Debatte über die moralische Integrität des Schriftstellers ausgelöst.

kai/dpa/Reuters