Hundemörder Die Leiden eines Jungautors
Die Reaktionen waren freundlich, ja ermunternd. Aber drucken? Nein, drucken wollte den Stoff niemand. "Zu skurril" oder "passt nicht unser Programm", lauteten die Begründungen. Ein halbes Dutzend Abfuhren holte sich Jens Bergmann auf der Suche nach einem renommierten Verlag für sein Erstlingswerk "Der Hundemörder". In der ungewöhnlichen Kriminalgeschichte des Hamburger Journalisten hat es ein Serienmörder auf das Lieblingstier der Deutschen abgesehen: den Schäferhund. Auf den 106 unterhaltsamen Krimiseiten verlieren etliche Vierbeiner nicht nur ihre Rüdenehre - sie werden vom Täter kastriert - sondern auch noch ihr Leben.
Bei der Suche nach einem Verlag gab Hundehasser Bergmann nicht auf. Im Zuge einer Recherche stieß er auf das Thema "Books on Demand" (BoD) und veröffentlichte den "Hundemörder" ganz einfach selber. Über 200 Exemplare hat er seit dem Erscheinen im Dezember verkauft, diverse Interviews gegeben und sogar in einer Talkshow trat er auf.
"Bücher auf Bestellung" - seit gut zwei Jahren gibt es dieses Verfahren in Deutschland. Vorreiter der Technik ist der Hamburger Buchgroßhändler Georg Lingenbrink (Libri). Über 4000 Titel hat die Libri-Tochter "Books on Demand" , seit Jahresanfang als GmbH eigenständig, im Sortiment - und monatlich kommen rund 250 hinzu. Ob Dissertation, Memoiren, Lyrik oder eben Krimi: Jeder, der ein Manuskript im Schreibtisch hat, kann per Digitaldruck daraus ein Buch machen. Das Verfahren ist simpel: Die druckreifen Texte werden als Datei an BoD übermittelt; drei bis vier Wochen später ist das Buch fertig. Hergestellt wird stets nur ein Exemplar. Geht eine Bestellung ein, laufen die Maschinen in Norderstedt bei Hamburg an. In drei Minuten sind Buchblock und Umschlag fertig; geschnitten und geheftet wird noch per Hand.
Eine inhaltliche Bearbeitung findet nicht statt. Der Autor ist allein für den Text verantwortlich, behält die Rechte an seinem Werk. Auch um Gestaltung, Lektorat und Vermarktung muss er sich selbst kümmern. Der größte Vorteil für die BoD-Autoren ist der Vertrieb. Alle Titel werden in den Libri-Katalog aufgenommen, auf den mehr als 3000 Buchhandlungen und viele Internet-Shops zurückgreifen. Für die Händler ist das Verfahren attraktiv, weil die teure Lagerhaltung entfällt. Auch der Druck von Spezialliteratur mit kleinsten Auflagen ist so wirtschaftlich möglich. "Bücher, die nach Jahren vergriffen sind, gibt es mit BoD nicht mehr", sagt Eugen Emmerling, Sprecher des Börsenvereins. Die Digitaltechnik erlaube eine "ewige Lieferung". Das sei ein "entscheidender Durchbruch", meint Emmerling, der BoD für ein "System mit Zukunft" hält.
Das sieht auch Bergmann so. Gut 600 Mark hat er für die Herstellung an BoD bezahlt. Weitere 1500 Mark investierte er in die Umschlaggestaltung und das Layout des "Hundemörders". Mit dem Resultat ist Bergmann zufrieden. Er arbeitet schon an einem zweiten Fall für seine beiden sonderbaren Ermittler Trotzke und Schmöller. Hundefreunde dürfen aufatmen - dieses Mal müssen Menschen dran glauben.
Jens Bergmann: "Der Hundemörder", 106 Seiten; 16,80 Mark, ISBN 3-8311-0496-4