John Grisham: "Je älter ich werde, umso mehr Themen kotzen mich an" - DER SPIEGEL
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Bestseller-Autor John Grisham "Je älter ich werde, umso mehr Themen kotzen mich an"

Keiner schreibt so fesselnd über die Abgründe des US-Justizsystem wie er - nun ist sein 40. Roman erschienen. Ein Besuch im Büro von John Grisham.
• aus SPIEGEL Bestseller 1/2020
John Grisham in seinem Büro in Charlottesville
John Grisham in seinem Büro in Charlottesville

John Grisham in seinem Büro in Charlottesville

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Thomas van Veen für SPIEGEL Bestseller

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John Grisham  hat Filterkaffee gekocht. Zucker sei keiner da, nur Milch, sagt er kurz nach der Begrüßung mit einem deutlichen Südstaatenakzent. In der Studentenstadt Charlottesville im Bundesstaat Virginia hat er seit Kurzem eine neue Wohnung ohne Bett, die er als Büro nutzt. Die Bilder in der Küche lehnen noch an der Wand. Der Schreibtisch nebenan, der vollgepackt ist mit Papierstapeln, Mappen und verschiedenen Ausgaben seiner Bücher, stammt aus der Verfilmung von "Die Firma". An ihm saß schon Tom Cruise. Grisham schreibt allerdings nie an diesem Tisch, wie er erzählt. Das mache er zu Hause auf seiner Farm, 20 Minuten von Charlottesville entfernt, immer von sieben bis elf Uhr.

SPIEGEL: Mr Grisham, "Die Wächter" ist, wenn ich richtig gezählt habe, Ihr 40. Buch in 32 Jahren.

Grisham: Mir wird irgendwann langweilig, wenn ich nicht schreibe. Ich habe mir diese Routine angewöhnt. Ich fange immer am 1. Januar mit dem nächsten Buch an. Januar bis März sind produktive Monate: Das Wetter ist schlecht, die Tage sind kurz. Am 1. Juli versuche ich, durch zu sein, anschließend bleiben noch ein paar Wochen für Korrekturen. Mitte August ist alles fertig. Dann nehme ich mir ein paar Wochen frei, bis die Langeweile wieder einsetzt, und ich überlege, was das nächste Buch sein könnte.

SPIEGEL: Gibt es so etwas wie eine Grisham-Formel?

Grisham: Ich versuche, meine Leser durch clevere Spannungsgeschichten zu unterhalten. Das ist, was ich selbst gern lese. Ich picke mir ein Thema oder Problem raus, das mit dem Rechtssystem zu tun hat, und baue darum eine Geschichte.

SPIEGEL: Amerika liefert Ihnen den Stoff, und Sie bauen bloß die Handlung drum herum?

Grisham: In "Die Wächter" erzähle ich drei Fälle, einen großen und zwei kleinere. Es geht um Fehlurteile, um das Versagen der Justiz. Ich werde immer wieder gefragt, ob es das denn tatsächlich gibt: Diese Fehlurteile, passieren die wirklich? Weiße wollen das nicht wahrhaben. Afroamerikaner wissen, dass das bittere Realität ist.

SPIEGEL: Das Buch basiert in Teilen auf einem echten Fall: John Bryan soll 1985 seine Ehefrau erschossen haben, er selbst bestreitet das bis heute.

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