Jostein Gaarder "Menschliche Eitelkeit"
"Kultur ist doch manchmal nur ein anderes Wort für die menschliche Eitelkeit", sagt Gaarder. Für ihn sei dagegen "die Natur sehr viel reicher" und habe im Gegensatz zur Kultur eine "Dimension der Ewigkeit."
In einem Beitrag für die neue Verlagsbeilage PAPERnews erklärt Jostein Gaarder , dass es für ihn "ein Privileg ist in Oslo zu leben", denn "wenn ich mein Haus verlasse, kann ich innerhalb von fünf Minuten die Zivilisation hinter mir lassen" und "stundenlang im Wald" spazieren gehen. "Dort", so der Autor, der am Donnerstag in Frankfurt seinen neuen Roman "Das Orangenmädchen" vorgestellt hat, "fühle ich mich sehr viel mehr zu Hause als in der Stadt."
Auf die Frage bei Lesungen, welches für ihn die wichtigsten Werte seien, schreibt Gaarder: "Morgens aufwachen und gesund zu sein, Freundschaft, erotische Liebe sowie die Wildnis und unberührte Natur." In seinem Land, so kritisiert der ehemalige Lehrer und Erfolgsautor, würden die meisten Menschen "mehr Namen von Fußballspielern als von Pflanzen-und Tierarten" kennen, und könnten "keine Amsel von einem Sperling" unterscheiden.
Mit seinem populär-philosophischen Erfolgstitel "Sofies Welt", der in 45 Sprachen mit einer Auflage von 25 Millionen Exemplaren verkauft wurde, verdiente Gaarder nach eigenen Angaben "so viel Geld", dass er 1997 die "Sophie Foundation" gründete und ein Preisgeld von "100.000 US-Dollar" für "außergewöhnliche Persönlichkeiten" aussetzte. Unter den bisherigen Preisträgern waren das geistliche Oberhaupt von Konstantinopel ("Der grüne Patriarch"), die Organisation der Globalisierungskritiker "Attac", sowie die nigerianische Umwelt-Organisation "Environmental Rights Action", die im Niger-Delta Umweltschäden durch Ölfirmen anprangerte.
"Nur um unsere Gier zu befriedigen", schreibt Gaarder, "plündern wir die Erde aus, und verbrauchen die letzten Ressourcen." Der Mensch und sein "ökonomisches System" befänden sich auf "einem Kollisionskurs zur Natur". Die Preisvergabe seiner Stiftung, in deren Kuratorium auch Gaarders Frau Siri Dannevig sitzt, solle auch an Mahatma Gandhi erinnern: "Unterschätze niemals die Fähigkeit eines Individuums, die Welt zu verändern." Sebastian Knauer