Kinderbuch: Genervt und gedemütigt
Kinderbuch Genervt und gedemütigt
Vermutlich kennt inzwischen praktisch jeder Junge zwischen zehn und zwölf Jahren Greg Heffley: Der schlaksige, präpubertär miesgelaunte Zwölfjährige ist Protagonist der Comic-Romane des Amerikaners Jeff Kinney, die wie ein Kindertagebuch mit Krickelhand geschrieben und um Cartoons ergänzt sind. Drei Bände von "Gregs Tagebuch", das er selbst "Memoiren" nennt, sind bislang erschienen, und bis Ende 2009 wurden davon weltweit 16 Millionen Stück verkauft. Seit 59 Wochen stehen die Bücher (Originaltitel: "Diary of a Wimpy Kid" - , zu deutsch etwa: "Tagebuch eines Warmduschers") auf der Bestseller-Liste der "New York Times".
Nun ist der vierte Band auf den Markt gekommen mit dem Titel "Gregs Tagebuch - Ich war's nicht". Dass der für eine Verlängerung des Bestseller-Status sorgen wird, das ist gar keine Frage, denn die Mischung aus haarsträubenden Anekdoten, universalen Problemen von Zwölfjährigen und witzigen Zeichnungen stimmt wieder: Der bananenförmig gebogene Greg wird von seinem großen Bruder Roderick gedemütigt, von seinem kleinen Bruder Manni geärgert und von seiner Mom unendlich genervt. Denn es sind Sommerferien, aber das Geld für den Strandurlaub fehlt - die Wirtschaftskrise ist auch in der Kinderliteratur angekommen. Mom Susan hat sich in den Kopf gesetzt, dass gerade deshalb dies die tollsten Sommerferien aller Zeiten werden sollen, und selbstverständlich geht alles wieder schief.
Früchtecocktails für 83 Dollar
Daran ist auch Greg selbst schuld, wie immer, denn muss man wirklich für 83 Dollar Früchtecocktails im Golfclub bestellen, in dem der Vater eines Freundes Mitglied ist, weshalb man, ausnahmsweise, auch hinein darf? Greg hat das Talent, alles zu vermasseln, aber alle anderen dafür verantwortlich zu machen; für Zwölfjährige nicht ganz ungewöhnlich. Der Buchtitel "Ich war's nicht" ist also Programm. So ein Gegenentwurf zum quasi perfekten Harry Potter, der am Ende alles richtig macht und alles richtet, hat auch etwas Entlastendes.
Erstaunlich ist, dass der Autor Jeff Kinney, 39, immer noch seinem alten Job als Entwickler für Kinder-Videospiele nachgeht. Obwohl oder vielleicht auch weil ihm nach eigener Aussage das Schreiben ganz schön schwer fällt: "Ich verbringe fünf Stunden pro Nacht mit einem Laken über dem Kopf, um einen einzigen Witz zu schreiben." Die Inspirationen kommen aus seiner Kindheit, denn auch er sei eher der Verlierertyp gewesen: "Ich diente einem Zweck: Ich ließ die Star-Athleten gut aussehen. Ich war für die anderen Kinder der orange-weiße Leitkegel, um den sie herum dribbelten."
Am vergangenen Donnerstag startete in den USA die Verfilmung des ersten Tagebuchs (einen Starttermin für Deutschland gibt es noch nicht). Kinney hat angekündigt, noch einen fünften Band zu schreiben; "sieben sind mein Traum", sagt er. Er wird ihn sich erfüllen.