Fotografin Leonore Mau: Einzelbild mit Ziege
Zum Tode Leonore Maus Fotos, von den Göttern erlaubt
Hamburg - Ihre erste gemeinsame Reise führte Leonore Mau und Hubert Fichte 1968 nach Brasilien. Fichte, Jungstar des deutschen Literaturbetriebs war gerade mit seinem Roman "Die Palette" zu Geld gekommen. Mau, fast 20 Jahre älter als der Schriftsteller, begleitete ihn als Fotografin, Gefährtin, Muse.
Auf der Suche nach Anhängern des afroamerikanischen Candomblé-Ritus folgten Fichte und Mau, wie sich die Fotografin später in einem Interview erinnerte, bei Nacht dem Rhythmus der Trommeln aus den Hütten der Favelas von Bahia. Schließlich ließ man sie ein, um die kultischen Handlungen zu fotografieren - mit dem Hinweis: "Wenn die Götter es nicht erlauben, wird auf den Bildern sowieso nichts zu sehen sein." Doch die Götter erlaubten es.
Die Aufnahmen waren der Ausgangspunkt weiterer gemeinsamer, von ethnologischem Interesse geprägter Reisen - und weiterer gemeinsamer Veröffentlichungen: den Text- und Bildbänden "Xango - die afroamerikanischen Religionen" und "Petersilie". Erst 2005, 20 Jahre nach dem Tod Fichtes, folgte der dritte Band der als Trilogie angelegten Reihe, "Psyche". Im gleichen Jahr widmeten die Hamburger Deichtorhallen dem gemeinsamen Werk der Fotografin und des Schriftstellers eine Ausstellung.
Geboren wurde Leonore Mau 1916 in Leipzig. Sie studierte Bühnenbildnerei, wurde zur Pressefotografin ausgebildet und arbeitete anfangs für Zeitschriften. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Mau in Hamburg und arbeitete dort anfangs als Architekturfotografin. Ab 1962 lebte und arbeitete sie zusammen mit Hubert Fichte.
Am Sonntag, den 22. September 2013, ist Leonore Mau im Alter von 97 Jahren in Hamburg gestorben.