Literatur An der Bruchstelle
Mathias Gatza bestellt einen schwarzen Tee im Café Einstein an der Berliner Kurfürstenstraße, und während die Blätter im heißen Wasser ziehen, erzählt er von dem Bruch in seinem Berufsleben. Gatza begann in den achtiger Jahren als Volontär bei Wagenbach, in den Neunzigern scheiterte er grandios mit einem eigenen Verlag, nachher war er Herausgeber bei Eichborn, Lektor beim Berlin Verlag und bei Suhrkamp.
Und dann, im Jahr 2003, entschied er sich, nicht mehr länger in der Verlagsbranche arbeiten zu wollen. Es war zu diesem Zeitpunkt noch keine Entscheidung für das Schreiben, sondern eine dagegen, achtzig Prozent des Tages mit dem Verkauf von Büchern zu verbringen, mit Taktik und Sicherung des eigenen Status. "Lieber wollte ich Lehrer an einer Sonderschule oder Gitarrist sein, als so weiterzumachen."
In seinem Roman "Der Schatten der Tiere" gibt es eine Szene, in der der Ich-Erzähler auch einen schwarzen Tee trinkt, ganz genau ist da beschrieben, wie die braune Farbe der Blätter das Wasser dunkel färbt. Dieser Roman ragt heraus aus den Belletristikdebüts, weil der Held sich so genau beim Leben zuschaut, wie dies nur in der Literatur möglich ist, weil der Schriftsteller Gatza transparent macht, wie er sich beim Schreiben beobachtet. Erzählt wird die Geschichte von Braun, einem Trinker, der in Norwegen ermordet wurde. Aber der Plot ist eher zweitrangig in diesem vielschichtigen Buch. Für "Der Schatten der Tiere" hat Gatza den Förderpreis des Bremer Literaturpreises bekommen. Förderpreis mit 45? "Das ist okay", sagt Gatza, "als Schriftsteller fange ich erst an."
Buch: Mathias Gatza: "Der Schatten der Tiere" . Rowohlt; 400 Seiten; 19,90 Euro.