Literatur: Malin Schwerdtfeger - DER SPIEGEL
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Literatur Malin Schwerdtfeger

Sie erzählt von Kiffern in Andalusien und chinesischen Badewannen ­ die Bremer Autorin schreibt mit kluger Komik und bitterböser Ironie.
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Zu ihrem 28. Geburtstag vor zwei Monaten wünschte sich Malin Schwerdtfeger einen Atlas. Nicht den abwaschbaren von Westermann, den Menschen ihres Alters gern im Erdkundeunterricht haben mitgehen lassen. Sondern einen richtigen, groß, schwer und in Leinen gebunden. In ihm reist sie viele Stunden lang, schaut auf das Dunkelblau der Ozeane, das Weiß der Antarktis und auf die fremden, schönen Namen unter ihrem Finger. "Ich muss von oben auf die Welt sehen", sagt sie. "Dann zoome ich mich heran, immer näher, bis ich bei den Menschen bin, ihren Geschichten, beim Käfer, der in der Erde wühlt." Die Welt der Malin Schwerdtfeger ist weit. Bevor sie aufs Blatt kommt, wächst sie in ihrem Kopf. Die Kurzgeschichten in ihrem Debütband erzählen von trotzigen, jungen Frauen, die reifer sind, als sie sein dürften, und beginnen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie spielen auf einer Marihuana-Farm in Andalusien, in Jerusalems Vorstädten, auf polnischen Bauernhöfen, in chinesischen Badewannen voll klebrigem Lycheesaft. Eines der Mädchen sagt: "Ich bin ein Flüchtling, aber mit einer Menge Freimeilen." In Deutschland spielen diese Geschichten selten. Die Welt der Malin Schwerdtfeger ist zusammengebaut aus fremden Biografien, aus archaischen Märchenplots und Vorstellungen von der Ferne. Autobiografisch sind sie nicht. Malin ist ein Vorname aus Schweden, seit acht Jahren studiert sie Judaistik in Berlin. Mehr Internationales gebe es nicht. Die Tochter eines Statistikers wuchs in Bremen auf, ihr Blick auf die Welt ist geschult in der norddeutschen Tiefebene: Eine Ansicht ohne Hindernisse. Ein Blick, der ins Weite geht. Schwerdtfeger schreibt, seit sie findet, dass sie gut ist. Seit ungefähr fünf Jahren also. Nebenher jobbt sie in einer Berliner Buchhandlung, einer ihrer Kollegen dort ist Benjamin Lebert. Mehr Verbindungen zum Literaturbetrieb gebe es nicht. Wichtig sei nur das Schreiben, nicht die Preise, das Stipendium beim letzten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb oder die Verträge über ihre ersten zwei Bücher. "Irre ernste Sachen so formulieren, dass sie ertragbar werden", will die selbstsichere Autorin mit dem Sinn für gut sitzende Dialoge, kluger Komik und viel bitterböser Ironie. Leichtigkeit sei ihr wichtig, liebevolle Distanz zu den Dingen. So wie zu den fremden Namen im Atlas. Alles ist ausgedacht, verdichtet. Nur das Kiffer-Dorf in Andalusien gibt es wirklich. Es ist der liebste Ferienort der Autorin. Wo der liegt, wollen ihre Leser wissen. "Granada und dann ein Stückchen links", sagt Malin Schwerdtfeger und kriegt wieder ihren Atlas-Blick. Fiona Ehlers


"Leichte Mädchen".