Literatur Mark Cirino
it 13 wollte er so sein wie Bob Dylan. Weil sein singender Gottvater dem Schmerz des Jungen eine Stimme gab, wenn die Finger vom Gitarre üben bluteten oder die New York Mets wieder einmal den Sieg über die verhassten Giants vermasselt hatten.
Heute ist Hobbymusiker Mark Cirino 29 Jahre alt und um eine entscheidende Erkenntnis reicher: "Vorbilder", sagt er, "sind etwas für Leute, die nicht den Mut haben, sie selbst zu sein."
Der Sohn eines italienischen Einwanderers und einer New Yorkerin, für den Dylan die Stimme seiner Jugend war und das legendäre "Blonde on Blonde"-Doppelalbum eine Offenbarung, versuchte jahrelang im Geiste Dylans zu schreiben. Vergebens die frühen Cirino-Reime waren voller Schmelz und Epigonentum. Sie landeten im Papierkorb.
Dann aber las Cirino "Der Fänger im Roggen". "Salinger gab mir den Mut, ich zu sagen, im Schreiben wie im Leben. Er hat mir gezeigt, dass das eigene Leben durchaus zum Romanstoff taugt."
Cirino, der heute in Midtown Manhattan lebt und kreatives Schreiben lehrt, lernte schnell: Mit 25 schrieb er in sieben Wochen "Name the Baby", sein Debüt, das in rasanten Snapshots die Stimmungslage seiner Generation beschwor. Amerika feierte Cirino, das Junggenie. Er hatte zu sich selbst gefunden.
"Arizona Blues", sein zweiter auf Deutsch erschienener Roman, entrollt die Geschichte des New Yorker Gitarristen Clay. Am Tresen einer Bar in Arizona, in Nächten über der Wüste, die so schwarz sind "wie Lakritze und genauso klebrig", versucht Clay sein bisheriges Leben zu vergessen. Weil sich Vergangenheit aber nicht mit ein paar Drinks abschütteln lässt, blickt Clay wie in Trance zurück. Mit jeder Episode zerbröselt der Traum vom erfüllten Leben ein wenig mehr. Da ist die kurze Affäre mit der exaltierten Molly, die ihm statt Liebe eine Ladung Koks bescherte; der Mord an Freund Randy, dem ein ausgetickter Matrose das Messer in die Brust rammte. Und da ist die hinter ihm liegende Welt seiner Gigs, auf denen er als Frontmann einer Bluesrock-Band um mehr als Anerkennung sang.
Gekonnt verdichtet Cirino sein literarisches Bluesical über eine versuchte Selbstfindung zum Porträt eines einsamen Hundes. Und die exzentrische Wüstensuada über das Glück des Augenblicks und die Liebe klingt aus mit dem trotzigen Appell: "Steig auf die Bühne, finde deinen Groove und singe! Sing, Junge, singe für die Frau, die du liebst."
Peter Henning
"Arizona Blues". Aus dem Amerikanischen von Regina Winter. Verlag Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Hamburg; 328 Seiten; 33 Mark.