Literaturfund: Hemingway zu verkaufen - DER SPIEGEL
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Literaturfund Hemingway zu verkaufen

Ernest Hemingway beschäftigt bis heute als tragischster Macho der Weltliteratur Fans und Experten. Eine neu entdeckte Short Story versetzt die Fachwelt nun in Aufruhr. Pointe der Geschichte: Die Nachlassverwalter wollen den Fund verkaufen - aber nicht veröffentlichen.
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"Mein Leben in der Stierkampf-Arena mit Donald Ogden Stewart" heißt die Kurzgeschichte Ernest Hemingways (1899 bis 1961) - sie könnte der Auftakt sein für ein Dramolett, in dem nicht tragische Helden, sondern Literaturwissenschaftler, Verleger und Nachlassverwalter die Hauptrolle spielen. Gefunden hat die fünfseitige, skizzenhafte Erzählung zusammen mit einem zweiseitigen Brief der Amerikaner Donald Stewart, Sohn des 1980 verstorbenen US-Autors Donald Ogden Stewart, der mit Hemingway in den zwanziger Jahren befreundet war.

Die Fachwelt freute sich: "Dies ist ein Stück Literaturgeschichte, ein wunderbarer Fund", frohlockte Matthew J. Bruccoli, Dozent an der Universität von South Carolina und ausgewiesener Hemingway-Kenner, gegenüber der "New York Times". Doch das Vergnügen könnte wenigen Experten und einem finanzkräftigen Literaturliebhaber vorbehalten bleiben: Die beiden kostbaren Schriftstücke sollen im Dezember dieses Jahres beim Aktionshaus Christie's unter den Hammer kommen, dürfen aber nicht veröffentlicht werden.

Für Stewart ein unverständliches Vorgehen. Der 72-jährige Sohn von Hemingways Zeitgenosse wollte die beiden Arbeiten dem US-Magazin "Vanity Fair" zum Druck anbieten. Der Literaturchef des Magazins, Wayne Lawson, hatte bereits zugesagt, musste aber feststellen, dass die Nachlassverwalter Hemingways eine Publikation strikt untersagen.

Somit werden die Texte eventuell Opfer eines höchst widersprüchlichen Copyright-Gesetzes. Zwar dürfen Brief und Geschichte nicht ohne die Genehmigung der Hemigway-Erben veröffentlicht, als Kunstwerke jedoch verkauft werden. Warum die Herausgabe untersagt wurde, ist bisher unklar. Der "New York Times" zufolge genehmigte die Ernest-Hemingway Stiftung die Veröffentlichung gegen ein Entgelt von 500 Dollar.

Die Stiftung, die Fachleute und Hemingway-Begeisterte repräsentiert, ist in Teilen berechtigt, über bisher unveröffentlichte Texte des Autors zu verfügen. Doch seit einer Nachlass-Neuregelung mit Hemingways Witwe Mary Hemingway im Jahre 1983 müssen sowohl Nachlassverwaltung als auch Stiftung einer Veröffentlichung zustimmen.

Bei all dem rechtlichen Hin und Her gilt wenigstens eines als gesichert: die Autorenschaft der Stücke. Die "New York Times" zitiert den Literaturwissenschaftler Gerald Kennedy, der den Texten einen für Hemingways damalige Schaffensperiode typischen Ton bescheinigt. "Er entspricht sehr dem überdrehten Humor jener Texte, die Hemingway damals nebenbei schieb", urteilt der Professor. Wer weiß, vielleicht hätte der Großmeister des modernen Erzählrealismus über die Veröffentlichungsposse ebenfalls gelacht.