Literaturnobelpreis: Sara Danius verlässt Schwedische Akademie - DER SPIEGEL
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Literaturnobelpreis Sara Danius verlässt Schwedische Akademie

Sie war die erste Frau an der Spitze des Gremiums, das den Nobelpreisträger für Literatur auswählt. Als eine Missbrauchsaffäre die Schwedische Akademie erschütterte, trat Sara Danius zurück. Nun gibt sie ihren Stuhl komplett auf.
Sara Danius (beim Nobelpreisbankett 2018)
Sara Danius (beim Nobelpreisbankett 2018)

Sara Danius (beim Nobelpreisbankett 2018)

Foto: Pascal Le Segretain/ Getty Images
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Der Skandal um die Schwedische Akademie, die den Literaturnobelpreis vergibt, ist um ein Kapitel reicher: Die Schriftstellerin Sara Danius gab am Dienstag ihren Sitz in der Akademie auf, nachdem sie vor knapp einem Jahr im Zuge eines Missbrauchsskandals bereits den Vorsitz der Akademie niedergelegt hatte.

"Ich habe entschieden, auf meinen Sitz zu verzichten", erklärte die 56-Jährige in Stockholm. Der Akademie anzugehören, auf dem Platz, den einst Selma Lagerlöf besetzt hatte, sei ihr "eine Ehre" gewesen. Die Akademie teilte mit , beide Seiten hätten eine angemessene Übereinkunft getroffen, womit Danius offiziell ihren Posten in der Akademie verlasse.

Danius erklärte in einer Erklärung an die Presse , sie habe angeboten, als Vorsitzende in die Akademie zurückzukehren. Dies sei jedoch abgelehnt worden. "Ich habe mich deshalb entschlossen, die Akademie auch als passives Mitglied zu verlassen", wurde Danius zitiert. Nach Angaben derZeitung "Dagens Nyheter" erhält sie 2,1 Millionen Kronen (rund 200.000 Euro) von der Akademie.

Sara Danius hatte ihre Arbeit als Ständige Sekretärin des Gremiums im Zuge des Belästigungs- und Korruptionsskandals bei der Akademie im April vergangenen Jahres niedergelegt. Offiziell war die Literaturwissenschaftlerin aber weiter Mitglied der Akademie geblieben, da deren Statuten bis zu dem Zeitpunkt keinen Austritt vorgesehen hatten. Diese Regeln wurden mittlerweile geändert.

Akademie bittet Danius um Entschuldigung

Die Essayistin und Literatur-Professorin Danius war 2013 in die Akademie aufgenommen worden. Zwei Jahre später wurde sie die Ständige Sekretärin der Akademie und damit das Gesicht dieser Institution. Sie war die erste Frau seit Gründung der Akademie im Jahr 1786, die den Chefposten übernahm. Unter ihrem Vorsitz fiel 2016 die umstrittene Entscheidung, den Sänger Bob Dylan mit dem Nobelpreis für Literatur auszuzeichnen.

Sara Danius werde für ihre Impulse zu neuen Denkweisen und ihre starke persönliche Präsenz in Erinnerung bleiben, erklärte das Gremium. Für das Ende ihre Amtszeit habe es "sachliche Gründe" gegeben. Man bitte sie aber wegen "aufgeladener Polemik" und der "Vermischung verschiedener Fragen" um Entschuldigung.

Mit ihrem Rücktritt vom Vorsitz der Akademie hatte Danius reagiert auf die Missbrauchsvorwürfe gegen Jean-Claude Arnault, einen der Akademie nahestehenden hochrangigen Kulturfunktionär. Die Zeitung "Dagens Nyheter" hatte berichtet, dass Arnault über Jahre hinweg 18 weibliche Mitglieder der Akademie, Frauen oder Töchter von Akademiemitgliedern und Mitarbeiterinnen belästigt oder missbraucht habe.

Im Oktober wurde Arnault wegen der Vergewaltigung einer Frau zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, in einem Berufungsurteil wurde die Strafe Anfang Dezember auf zwei Jahre und sechs Monate Haft erhöht. Arnault ging erneut in Berufung, die Entscheidung von Schwedens Oberstem Gerichtshof steht noch aus.

Weil wegen des Missbrauchskandals einige Akademie-Mitglieder ihre Mitarbeit aufkündigten, war vergangenes Jahr die Vergabe des Literaturnobelpreises ausgefallen. Dieses Jahr will die Akademie die renommierte Auszeichnung zum Ausgleich zweimal vergeben.

Drei Sitze in der Akademie sind derzeit vakant, wie der Interimssekretär der Akademie, Anders Olsson, am Dienstag mitteilte. Diese würden auf jeden Fall mit Frauen besetzt, um das "Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen in der Akademie" zu erhalten. Mitte Februar hatte die Akademie die finnlandschwedische Lyrikerin Tua Forsström als neues Mitglied berufen .

feb/AFP/dpa