Mario Vargas Llosa: Der Horror der Macht - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mario Vargas Llosa Der Horror der Macht

Ein Terrorregime in Lateinamerika, die Faszination der Macht und die Kooperation der Eliten mit dem Herrscher sind Themen des neuen Romans von Mario Vargas Llosa. Nun ist das Buch auf Deutsch erschienen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Das Fest des Ziegenbocks" liest sich so spannend wie ein guter Krimi. Im Zentrum des Buches steht das Attentat, bei dem der die dominikanische Diktator Rafael Trujillo 1961 ermordet wurde, dessen Vorgeschichte und die brutalen Folgen. Der Peruaner Vargas Llosa beschreibt die kranke Seele des Diktators, der sich selbst zum Opfer seines Landes stilisieren muss, um den Horror vor seinen eigenen Taten zu unterdrücken. Während dem Diktator die schönen jungen Töchter, Schwestern und Frauen seiner Untergebenen zugeführt werden, verrichten die Folterknechte ihre dreckige Arbeit in den Kellern des Geheimdienstes.

Auch die Unschuld der 14-jährigen Urania wird Trujillo geopfert, weil sich der eigene Vater die Gunst des Diktators erhofft. Urania, die das Erlebnis Zeit ihres Lebens nicht verwinden kann, kehrt nach 35 Jahren in ihre Heimat zurück - und setzt sich dort mit ihren Erinnerungen auseinander.

Vargas Llosa hat die Herrschaft und das Ende des selbst ernannten "Wohltäters und Vaters des neuen Vaterlandes" in einem großartigen Roman verarbeitet. "Wenn man über einen Diktator schreibt, schreibt man über alle Diktaturen", sagte der 65-jährige Literat jüngst in einem Interview.

Mario Vargas Llosa: "Das Fest des Ziegenbocks". Aus dem Spanischen von Elke Wehr. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main; 538 Seiten; 49,80 Mark.

Mehr lesen über