Buchtipp für den Urlaub Ein Bauernhof zum Lesen
Autorin Bogdahn: Kitsch größtenteils umschifft
Foto: Beppo MinxMaria ist eine gehetzte Großstädterin, die ihre ländlichen Wurzeln eigentlich gekappt hat. Als ihr Vater ins Krankenhaus eingeliefert wird und ihre Mutter sie um Hilfe bittet, kehrt sie in ihre Heimat, den Bauernhof ihrer Eltern, zurück. Und wie das so ist, wenn man als erwachsener Mensch an den Ort katapultiert wird, der mal das Zuhause war, kommen all die längst vergessen geglaubten Erinnerungen in ihr hoch. Ein Glück! Denn auch die Leserin darf in Martina Bogdahns »Mühlensommer« an Marias Zeitreise in ihre Kindheit teilhaben, die keineswegs so idyllisch war, wie man sich das klischeehaft vorstellt.
Landleben: Mit den herrlichsten Farben
Foto: Catherine Falls Commercial / Moment / Getty ImagesDer Hof von Marias Eltern liegt kilometerweit draußen in der Natur, statt Nachbarn gibt es Stall, Feld und zeternde Traktoren. Maria und ihr Bruder gehen natürlich zur Schule, aber trotzdem müssen sie auf dem Hof mit anpacken. Schlachten, ernten, auch bei der Geburt von Tieren muss Maria helfen. Als ein Ferkelchen im Leib der Mutter feststeckt – das kommt leider immer wieder vor, lernt man – muss jemand in das Schwein hineingreifen, das kleine Lebewesen ertasten und es befreien. Klar, dass Maria, ganz das unerschrockene Landkind, sich nicht ekelt, sondern es macht. Sogar noch als Erwachsene.
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17.10.2026 08.30 Uhr
Keine Gewähr
»Mühlensommer« kommt natürlich nicht ganz ohne Nostalgie aus, schließlich folgt man im Grunde guten und stets malochenden Menschen durch einen Alltag ohne Teams-Calls. Dennoch gelingt es Bogdahn, Kitsch größtenteils zu umschiffen, sie drückt sich nicht, auch all die Grausamkeiten zu benennen, die das Leben auf einem Hof bereithält. Wer weiß, was Bauern mit zu vielen Kätzchen tun, ahnt, was gemeint ist.
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Dass Bogdahn diese Welt, die den meisten eher unbekannt sein dürfte, mit den herrlichsten Farben malt, macht den Roman so lesenswert. Man riecht die Hitze im Hopfenfeld und den Gestank im Stall. Vermutlich liegt es auch daran, dass sie selbst auf dem Land aufwuchs und weiß, wie das Leben dort wirklich ist. Sauanstrengend, sauschön.