Neue deutsche Comics Jamiri - "Entre nous"
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Jamiri - "Entre nous", 3 Bilder |
Es geht eigentlich immer um die Zeit. Die neigt bekanntlich zur Vergänglichkeit, meistens eher schneller als langsamer. Vor allem dann, wenn sie verdammt noch mal stillstehen sollte. Im Leben zum Beispiel, beim Älterwerden. Im Comic wird Zeit im Allgemeinen durch Raum ersetzt - Lesefläche, die Stück für Stück abzuarbeiten ist. Also sollte man doch meinen, dass einer, der in seinen Comics vorrangig davon erzählt, wie er seine Zeit totschlägt, auch viel Platz dafür benötigt.
Jamiri nicht. Der einzige offizielle Abhänger unter Deutschlands Comiczeichnern hat, nimmt und braucht seit Jahren grade mal eine Comicseite, um zu erzählen, wie gerade mal wieder gar nichts passiert. Oder wie es, wenn es doch passiert, schief geht. Und wenn es nicht schief geht, dann spinnt wenigstens die Technik. Oder die Freundin. In mittlerweile stark Hightech-unterstützten Hochglanzcomics fängt Jamiri winzigste Momente vom größten anzunehmenden Alltag ein. Seinem Alltag.
Das Porträt des Künstlers als depressiver Hänger: Wohl kein anderer deutscher Comiczeichner hat so viele Bilder von sich selbst angefertigt, wie er sitzt und nichts tut, außer zu grübeln, und an der Welt verzweifelt. Nicht immer braucht es eine Pointe dafür - hat das Leben denn so viele Pointen?
Jamiris Comics, das ist der Stillstand in der Bewegungslosigkeit, das ist Philosophie auf Thekenniveau. Und genau da gehört Philosophie ja manchmal auch hin. Seine Leser, und davon hat er ziemlich viele, lieben ihn dafür. Seit fast 20 Jahren friert Jamiri (geboren 1966) in seinen kurzen, autobiographischen Episoden das Leben ein, das vom Langzeitstudenten Jan Michael Richter erzählt, der 22 Semester lang Kommunikationsdesign in Essen studiert hat, nebenher als Barmann jobbte und durch diverse Beziehungen und beziehungsähnliche Gebilde stolperte.
Inzwischen ist er hauptberuflich Comiczeichner (u.a. für SPIEGEL ONLINE) und auch davon handeln seine Comics natürlich. Die Zeit vergeht eben doch. Aber manchmal nicht flüssig, sondern ganz anders: Seite für Seite.
Stefan Pannor