Prag: Kafkas Bücher kehren heim - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Prag Kafkas Bücher kehren heim

Nach jahrelanger Recherche im Auftrag der Automobilfirma Porsche wurde die rekonstruierte und nahezu vollständige Bibliothek Franz Kafkas an die Prager Kafka-Gesellschaft übergeben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Die Sammlung wurde durch wertvolle Erstausgaben des österreichischen Schriftstellers ("Der Prozess") ergänzt. Die Firma Porsche, die den Bestand erworben hatte, übergab die über 1000 Bücher, Zeitschriften und Almanache im Wert von über einer viertel Million Mark (127.822 Euro) am Dienstag in Berlin symbolisch dem Präsidenten der Kafka-Gesellschaft, Kurt Krolop. Kafka wurde am 3. Juli 1883 in Prag geboren. Er starb am 3. Juni 1924 an Tuberkulose.

Der Bestand seiner Literatursammlung wurde von dem Stuttgarter Antiquar Herbert Blank zusammen gestellt. Die Bücher befanden sich entweder im Besitz Kafkas oder sind Ausgaben aus seiner Zeit, mit denen er sich im Laufe seines Lebens nachweislich beschäftigte. Blank stellte dazu in mehrjähriger detektivischer Arbeit einen Katalog zusammen. Der Antiquar vertritt die Ansicht, dass Kafka mit schätzungsweise 400 bis 500 Büchern für einen Autor eine vergleichsweise kleine "Handbibliothek" besessen habe, was auch auf seine beengten Wohnverhältnisse, seinen Geiz und schließlich seine spätere schwere Erkrankung zurückzuführen sei.

"Kafka war kein Sammler", sagte Blank. Sein Verhältnis zur schreibenden Zunft sei "gelinde gesagt etwas zwiespältig" gewesen. So nehmen auch nichtliterarische Titel wie Reisebeschreibungen oder wissenschaftliche Volksbücher und biografische Darstellungen einen beträchtlichen Umfang in seiner Bibliothek ein.

Über seine eigenen Werke vermerkte Kafka in seinem Testament: "Von allem, was ich geschrieben habe, gelten nur die Bücher: Urteil, Heizer, Verwandlung, Strafkolonie, Landarzt und die Erzählung: Hungerkünstler ... Dagegen ist alles, was sonst an Geschriebenem von mir vorliegt ... ausnahmslos zu verbrennen."

Die Wege, die Kafkas Bibliothek nach der Deportation seiner Schwester Ottla nach Theresienstadt genommen hat, sind bis heute nicht lückenlos aufgeklärt. Fest steht, dass zumindest der größte Teil irgendwann in ein Münchner Antiquariat gelangte und 1982 an die Forschungsstelle für Prager deutsche Literatur an der Universität Wuppertal verkauft wurde, wo sich die Bücher bis heute befanden.

"Jetzt kommt nach Prag, was dort auch hingehört", sagte der Verleger und Kafka-Experte Klaus Wagenbach, der schon 1958 eine Liste der Kafka-Bibliothek veröffentlicht hatte.