Reaktionen "Der Mann ist ein Genie!"
Hamburg - "Ich bin begeistert, er ist ein guter Freund und ein großer Schriftsteller", sagte die südafrikanische Autorin Nadine Gordimer, die 1991 als erste Schriftstellerin ihres Landes den Literaturnobelpreis bekommen hatte, nach Bekanntwerden der Preisvergabe.
Seitdem Coetzee in Australien lebe, habe sie nicht mehr sehr viel Kontakt zu ihm gehabt. "Ich glaube aber, dass er jetzt, wo er den Preis gewonnen hat, nach Südafrika zurückkehren wird." Coetzee verließ vor knapp zwei Jahren Südafrika und lebt jetzt in Australien mit seiner Lebensgefährtin, der Literatur-Professorin Dorothy Driver zusammen.
Nach Ansicht seiner Verleger ist der Preis in diesem Jahr einem "genialen" Schriftsteller verliehen worden. "Der Mann ist ein Genie. Er sagt so viel in so wenigen Worten", sagte Stephen Johnson vom Verlag Random House Südafrika am Donnerstag kurz nach Bekanntgabe der Zuerkennung des Nobelpreises. Sein Haus sei "überaus aufgeregt" angesichts des außerordentlichen Prestiges, betonte Johnson.
Euphorisch hat sich auch der Frankfurter S. Fischer Verlag am Donnerstag über die Vergabe des Literatur-Nobelpreises geäußert. "Das ist ein großer Tag für uns", sagte der verlegerische Geschäftsführer Jörg Bong. "Coetzee ist ein außerordentlicher Autor. Es gibt nur ganz wenige Schriftsteller in der Welt, bei denen sich ästhetische Perfektion und rigoroses Engagement so hervorragend verbinden."
"Großer Erbe Kafkas"
Der Preis wird nach Ansicht seiner deutschen Lektorin Ursula Köhler vom S. Fischer Verlag die Aufmerksamkeit auf den Autor lenken, die er seit Jahren verdient habe. "Coetzee musste einfach diesen Preis bekommen", sagte Köhler am Donnerstag in Frankfurt. Seit mehreren Jahren schon galt Coetzee als heiß gehandelter Kandidat für den bedeutendsten Literaturpreis der Welt.
"Ich habe das Gefühl, dass es doch noch Gerechtigkeit auf der Welt gibt", sagte Köhler. Gemessen am Grundsatz des schwedischen Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) sei er auf alle Fälle ein "äußerst würdiger Preisträger". Nach dem testamentarischen Willen Nobels erhält derjenige den Preis, "der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat". Coetzee sei allerdings kein Autor, "der es seinen Lesern leicht macht".
Begeistert hat die Universität Kapstadt (UCT) auf die Vergabe des Literatur-Nobelpreises an ihren früheren Mitarbeiter John M. Coetzee reagiert. Der Leiter der englischsprachigen Abteilung, Stephen Watson, betonte: "Er ist in jeglicher Hinsicht ein großer Erbe Kafkas, ob er sich nun auf Südafrika konzentriert oder auf Orte ohne besondere Zuordnung. Es gelingt ihm wie nur wenigen anderen zeitgenössischen Schriftstellern, ein Schlaglicht auf einige der unwägbaren Fragen der Existenz zu werfen." Watson beschrieb Coetzee als "geschätzten Kollegen, der hier 30 Jahre lang unterrichtete."