Schriftsteller Castro-Kritiker Cabrera Infante verstorben
London - Guillermo Cabrera Infante ist nicht nur einer der bedeutendsten Literaten der spanischsprachigen Welt, er gilt vor allem als intellektuelle Symbolfigur des Widerstands gegen das kubanische Castro-Regime. Wie seine Agentur Balcells mitteilte, erlag Cabrera am Montag im Krankenhaus einer Blutvergiftung, die er sich als Folge mehrerer schwerer Erkrankungen zugezogen hatte. Nach Angaben seiner Familie hatte er sich kürzlich bei einem Sturz eine Hüfte gebrochen. Obendrein litt er an Diabetes und einer Lungenentzündung.
Sein bekanntester Roman "Drei traurige Tiger" über das Nachtleben im vorrevolutionären Havanna erschien 1967, andere Hauptwerke waren "Rauchzeichen" ("Holy Smoke", 1963) und der Essay "Kino oder Sardine?" ("Cinema or Sardine", 1997). Zudem schrieb er Drehbücher wie etwa für John Houstons Adaptation von Malcom Lowrys "Unter dem Vulkan". Auf Deutsch erschienen von Cabrera außerdem die Erzählungen "Wie im Kriege also auch im Frieden", "Ansicht der Tropen im Morgengrauen" sowie eine Sammlung von Film-Essays mit dem Titel "Nichts als Kino" (alle im Suhrkamp Verlag).
Der peruanische Autor Mario Vargas Llosa sagte über Cabrera: "Seine vielleicht größte Originalität bestand darin, Filmkritik zu einem neuen literarischen Genre gemacht zu haben."
Die Kritik lobte den 1929 auf Kuba geborenen Autor für seinen experimentellen Umgang mit der Sprache. Cabrera, dessen Eltern an der Gründung der kommunistischen Partei Kubas beteiligt waren, hob 1957 das Magazin "Revolucion" mit aus der Taufe und wurde Direktor des Nationalen Kulturrats und des kubanischen Filminstituts. Anfang der sechziger Jahre schon ihn das Regime auf den Posten des Kulturattachés in Brüssel, nachdem Cabrera sich öffentlich über das Verbot literarischer Werke beschwert hatte. 1965 überwarf er sich schließlich ganz mit Castro und ging für kurze Zeit nach Madrid, dann nach London ins Exil. 1979 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an.
"ie viele Intellektuelle Kubas, die zunächst als Unterstützer der Revolution dienten, entwickelte sich Cabrera im Exil zu einem scharfen Gegner Castros, mit dem er 1991 in einer Sammlung politischer Schriften, "Mea Cuba", abrechnete. "Ich bin seit 1965 nicht mehr nach Kuba zurückgekehrt und werde es nicht tun, bis Fidel Castro nicht mehr an der Macht ist", erklärte er 1997. "Unter der (1959 von Castro gestürzten) Batista-Diktatur, so hieß es immer, war Kuba ein Bordell für die Amerikaner. Heute ist es zu einem Puff für europäische Touristen geworden", sagte Cabrera erst kürzlich.
Auch wenn er das Leben im Exil und die Entfremdung von seiner Heimat immer wieder in seinen Schriften thematisierte, ließ sich der Schriftsteller und Kritiker durch die politische Entwicklung Kubas nicht von den großen und kleinen Freuden des Lebens abbringen. Er liebte das Kino und die Musik, das Nachtleben und die Havanna-Zigarren. Seine Werke zeichnen sich durch eine ungewöhnliche sprachliche Brillanz aus. "Für ihn war die Literatur eine Bühne, auf der er die Worte zum Tanzen brachte", schrieb die Madrider Zeitung "El País".
So befasst sich auch "Drei traurige Tiger" nur vordergründig mit dem Leben im vorrevolutionären Havanna. Es ist zugleich eine Sammlung verballhornter Klassikerzitate, Stilparodien und Kino-Reminiszenzen.
1997 erhielt Cabrera Infante den Preis Miguel de Cervantes, die wichtigste Literaturauszeichnung der spanischsprachigen Welt. Er hinterlässt zwei Kinder aus erster Ehe.