Springer-Verlag: Abschied vom "Freund" - DER SPIEGEL
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Springer-Verlag Abschied vom "Freund"

Die Literaturzeitschrift "Der Freund" war das Prestige-Objekt des Springer-Verlags. Nach zwei Jahren und acht Ausgaben ist nun Schluss. Springer stellt wie geplant seine Finanzierung ein. Morgen erscheint das Magazin aus Nepal zum letzten Mal.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Ausgerechnet der Axel-Springer-Verlag ("Bild") konnte in den vergangenen zwei Jahren stolz sein auf ein Medium, dass sich nicht an der breiten Masse und am Boulevard orientierte. "Der Freund" war ein Literaturmagazin, ganz ohne Anzeigen und Fotos, dafür mit seitenlangen Interviews, Essays und Gedichten. Die Texte wurden auch mal auf Englisch oder Französisch gedruckt, ganz wie die Autoren es mochten.

Die Idee hinter der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift: Unschuld. Im "Tagesspiegel" sagte Eckhart Nickel, einer der beiden Chefredakteure, es gehe darum, Klischees und Wiederholungen zu vermeiden. Wenn möglich, mit einer eigenen, noch nicht gebrauchten Sprache. Dazu war auch physische Entfernung vonnöten. Der Sitz der "Freund"-Redaktion war das Hotel Sugat im nepalesischen Katmandu. Neben Nickel ("Gebrauchsanweisung für Portugal") arbeitete der Schriftsteller Christian Kracht ("1979", "Faserland") als Chefredakteur und Herausgeber. Beide wollen jetzt erst einmal ihre neuen Bücher fertig schreiben.

Kracht sagte zum Abschluss des Projekts, dass sich die Redaktion ganz auf die inhaltliche und gestalterische Aufgabe konzentrieren konnte, ohne sich Kompromissen oder ökonomischem Erfolg verpflichten zu müssen. Die fünfte Ausgabe des Magazins bekam bei den renommierten LeadAwards, einer Auszeichnung für Print- und Online-Medien, den ersten Platz in der Kategorie "Cover des Jahres": Die Ausgabe zierte ein Druck des Acryl-Gemäldes "Seine königliche Hoheit der Prince of Wales" von der ukrainischen Malerin Alla Tkachuk. Wie die morgen erscheinende letzte Ausgabe von "Der Freund" aussieht, wurde nicht verraten. Nur eins weiß man bereits: Sie beinhaltet ein Interview mit Filmregisseur David Lynch.  

Von Anfang an waren nur acht Ausgaben von "Der Freund" geplant. Ziel sei nicht die dauerhafte Positionierung eines neuen Titels gewesen, sondern die Förderung eines ungewöhnlichen Projekts, sagte Andreas Wiele vom Springer-Vorstand Zeitschriften und Internationales. Eine "Art experimentelles Kultursponsoring" sei das gewesen, die Bilanz positiv. Auch zukünftig wolle der Verlag kreative Ideen in Print und Online unterstützen. Im Herbst soll dafür ein Förderkonzept vorgestellt werden.

abr/ddp/dpa