Stockholm: Kertész nimmt Literaturnobelpreis entgegen - DER SPIEGEL
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Stockholm Kertész nimmt Literaturnobelpreis entgegen

Als erster Ungar hat der Schriftsteller Imre Kertész den diesjährigen Nobelpreis für Literatur entgegen genommen. Er würdigte seine Auszeichnung als Signal dafür, dass Europa offenbar immer noch Bedarf am Erfahrungsschatz eines Holocaust-Überlebenden habe.
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Stockholm - Der 73-jährige Budapester Kertész wurde für die Darstellung eigener Erfahrungen als jugendlicher Häftling im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz in seinem "Roman eines Schicksallosen" (1973) ausgezeichnet.

Die Schwedische Akademie hatte die Vergabe des Literaturpreises im Oktober damit begründet, dass Kertész in seinem schriftstellerischen Werk "die zerbrechliche Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barbarischen Willkür der Geschichte behauptet".

Kertész wurde 1944 als 15 Jahre altes Kind einer jüdischen Familie von Budapest nach Auschwitz deportiert und 1945 aus dem KZ Buchenwald befreit. Über die Vergabe des Nobelpreises an ihn, einen Zeugnis ablegenden Überlebenden des Holocaust, sagte der Ungar vor der Vergabe bei seiner Nobelvorlesung: "Den Preis, mit dem die Schwedische Akademie gerade mein Werk auszuzeichnen für richtig befand, betrachte ich als ein Zeichen dafür, dass Europa erneut jener Erfahrungen bedarf, die die Zeugen von Auschwitz, des Holocaust zu machen gezwungen waren."

Der zurzeit in Berlin an einem neuen Roman arbeitende Schriftsteller erhielt seinen Preis aus der Hand von Schwedens König Carl XVI. Gustaf zusammen mit den Preisträgern für Medizin, Chemie, Physik und Wirtschaft. Alle Nobelpreise sind in diesem Jahr mit jeweils 10 schwedischen Millionen Kronen (1 Millionen Euro) dotiert.