Tageskarte Buch Notizen eines Warmduschers
Wahrscheinlich hat jeder schon mal diesen Gedanken gehabt: Ich bin von Idioten umzingelt. Begriffsstutzig, phantasielos, verblödet der Rest der Menschheit nervt. Der Rest der Menschheit, das sind für Greg Heffley insbesondere die Mitschüler in der Junior Highschool, der pedantische Vater, die politisch korrekte Mutter, der pubertierende große Bruder Roderick und das verhätschelte Nesthäkchen Manni.
Die Erkenntnis, von Idioten umzingelt zu sein, ist so universal, dass "Gregs Tagebuch" in den USA seit seinem Erscheinen im vergangenen Jahr laut "USA Today" mehr als eine Million Mal verkauft wurde. Vielleicht liegt es auch noch daran, dass der amerikanische Autor und Zeichner Jeff Kinney, 36, eine unglaublich witzige Mischung aus Kinderbuch und Comic verfasst hat. Im Original heißt das Werk "Diary of a Wimpy Kid" , was man ungefähr mit "Tagebuch eines jungen Warmduschers" übersetzen könnte. Mit der Hand auf liniertem Papier geschrieben und von erläuternden Cartoons unterbrochen, ist da der durchschnittlich absurde Alltag eines dünnen, bananenartig gebogenen, mäßig tapferen, aber sehr sympathischen etwa zwölfjährigen Schülers dokumentiert.
Das Tagebuch, das laut Greg seine "Memoiren" enthält, zeigt: Warmduscher haben's schwer. Die Hauptstädte, die Greg nicht auswendig gelernt hat, kann er bei der Klassenarbeit nicht von der Landkarte an der Wand abschreiben, weil die blöde Streberin Patty den Lehrer auf die Karte aufmerksam macht. Unterm Weihnachtsbaum liegt ein riesiger roter Wollpullover, der eigentlich als Spende für Bedürftige gedacht war, während das Videospiel für Greg bei den Bedürftigen gelandet ist, die, wie Greg seiner Mutter ärgerlich mitteilt, gar keine Konsole besitzen. Alles Idioten halt, selbst Mom. Oder vor allem Mom, denn die muss immer mehrere Tage überlegen, wie sie Greg für den Unfug bestraft, den er wieder angestellt hat. Und obwohl er in dieser Phase versucht, sich mit Esszimmer-Putzen einzuschleimen, sagt Mom schließlich: eine Woche Videospielverbot.
Gut, Greg macht auch selbst den ein oder anderen idiotischen Fehler. Zum Beispiel, als er versucht, heimlich die Heavy-Metal-Platte seines großen Bruders zu hören, deren Text jugendgefährdend ist. Er besorgt sich, glänzender Einfall, Kopfhörer. Blöd nur, dass er dann die Lautstärke voll aufdreht, aber vergisst, den Kopfhörer einzustöpseln. Dad erscheint nach 30 Sekunden im Zimmer. Zwei Wochen Videospielverbot.
"Gregs Tagebuch" erschien 2004 zuerst im Internet, auf der Internetseite www.funbrain.com , wo es noch heute nachzublättern ist. 70.000 Leser hatte es nach kurzem täglich, doch erst 2006 fand Kinney einen Verlag. Für ihn war das endlich die Anerkennung, auf die er lange gewartet hatte. Denn eigentlich hatte Kinney Comiczeichner werden wollen, musste aber, mangels Erfolgs als Web-Designer arbeiten. Inzwischen ist in den USA der zweite Band erschienen, drei weitere sind geplant. Seiner Web-Gemeinde ist Kinney treu geblieben. Auch Band zwei steht nicht nur im Buchhandel, sondern ist gleichzeitig kostenlos im Internet zu lesen.
Jeff Kinney: "Gregs Tagebuch. Von Idioten umzingelt!". Aus dem Englischen von Collin McMahon. Baumhaus Verlag, Frankfurt/Main; 220 Seiten; 12,90 Euro.