Taschenbuch-Bestseller Ein glücksfernes Leben
Krieg, Verfolgung, Neubeginn auf Trümmern: Die persönliche Leidensgeschichte von Ursula Heye ist die einer ganzen Generation von Frauen. Ihre Erinnerungen hat Heye an ihren Sohn weitergegeben: 17 eng beschriebene DIN-A5-Seiten. Uwe-Karsten Heye trug das kleine Vermächtnis 15 Jahre mit sich herum, ohne es lesen zu können ("Ich ahnte den Schmerz, der sich darin verbarg"). Schließlich wurde ein ganzes Buch daraus, das 2004 unter dem Titel "Vom Glück nur ein Schatten" erschien und jetzt - als Filmausgabe zum ZDF-Zweiteiler "Schicksalsjahre" - ein Revival auf der SPIEGEL ONLINE-Bestsellerliste feiert.
Zentrales Thema des Textes ist der Verlust einer großen Liebe: Lediglich vier Jahre dauert das Eheglück von Ursula und Wolfgang, bis der Krieg das Paar auseinanderreißt. Erst 20 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs erhält Ursula, die unter großen Entbehrungen zwei Kinder großgezogen hat, die Nachricht, dass ihr Mann noch lebt, mittlerweile mit einer anderen Frau verheiratet.
Sohn Uwe-Karsten Heye (70) - Journalist und ehemalige Regierungssprecher unter Bundeskanzler Gerhard Schröder - verfolgt mit der Veröffentlichung aber auch einen politischen Ansatz, wie er im Interview mit dem "Hamburger Abendblatt" verrät: "Ich wollte am Beispiel meiner Familie zeigen, was die Nazis angerichtet und mit den Menschen gemacht haben. Als meine Mutter im Nachhinein darüber nachdachte, warum ihr Leben so abgrundtief glücksfern gelaufen war, kam ein Selbstvorwurf dabei heraus: Wir haben es gewähren lassen, vielleicht nicht aktiv befördert, aber passiv geduldet." Der Sohn will diesen Fehler nicht begehen: Seit 2000 tritt Heye als Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender des Vereins "GesichtZeigen! Für ein weltoffenes Deutschland" gegen Fremdenfeindlichkeit an.
Nicole Stöcker, buchreport