Taschenbuch-Bestseller: "Klemmt euch dahinter!" - DER SPIEGEL
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Taschenbuch-Bestseller "Klemmt euch dahinter!"

Als Krimiautor braucht man ein dickes Fell, findet Linwood Barclay. Für den gefragten Redner und Zeitungs-Kolumnisten hat es sich ausgezahlt. Sein erster Psychothriller "Ohne ein Wort" ist auf Anhieb auf der Bestsellerliste gelandet.
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In seiner Schulzeit wurde Linwood Barclay vom Direktor zur Seite genommen und ermahnt, anstatt sich in Geschichten hineinzuträumen, mehr für Mathe zu tun. Doch die Leidenschaft für das gesprochene, geschriebene und geträumte Wort blieb ungebrochen. Barclay studierte Literatur und wechselte nach Stationen bei kleineren Tageszeitungen 1981 zum "Toronto Star", Kanadas auflagenstärkstem Blatt. Seit 1993 ist er dort als Kolumnist tätig; dreimal in der Woche schreibt er humorvoll-verspielt über Gott und die Welt.

Nach mehreren Sachbüchern, die seit Mitte der neunziger Jahre erschienen sind, brachte Barclay 2004 den ersten einer auf mehrere Bände angelegten Krimi-Reihe auf den Markt. Zentrale Figur ist ein überängstlicher, alles wissen wollender Vater namens Zack Walker.

"Ohne ein Wort" (im kanadischen Original "No Time for Goodbye") ist Barclays erster Psychothriller: Cynthia, eine pubertierende 14-Jährige, wünscht ihren Eltern mehr übermütig als ernsthaft den Tod. Aber plötzlich sind Vater und Mutter verschwunden, auch ihr Bruder ist nicht mehr auffindbar. Kein Hinweis, keine Nachricht weisen auf ihren Verbleib hin. Erst 25 Jahre später, als Cynthia selbst eine Familie hat, holt sie ihre Vergangenheit ein.

Größte Herausforderung beim Schreiben ist für den kanadischen Autor der Wechsel von einer journalistischen Herangehensweise zum freien Fabulieren. "Wenn ich als Journalist schreibe, muss alles sachlich korrekt sein, schreibe ich ein fiktionales Buch, muss es sich stimmig anfühlen", sagt Barclay. "Man kann in der Literatur die Fantasie dehnen und biegen wie man will", glaubt der Autor, "man muss nur aufpassen, dass der Text nicht an Unglaubwürdigkeit zerbricht."

Viel Zeit hat Barclay für seine Bücher nicht. Priorität haben seine drei wöchentlichen Kolumnen, die er nach der Durchsicht von täglich drei Tageszeitungen schreibt. Hinzu kommt die Vorbereitung von öffentlichen Reden, die Barclay als gern gebuchter und witziger Redner mal vor Vertretern der größten kanadischen Lebensversicherungsgesellschaft, mal vor dem Rat für kanadisch-pakistanische Wirtschaftsbeziehungen hält. Doch hat der Kanadier einmal mit der Niederschrift eines Buches begonnen, kann er sich erst dann vom Schreibtisch lösen, wenn er den ersten Entwurf zu Papier gebracht hat. Wegen seiner feststehenden Verpflichtungen benötigt er nach eigener Auskunft vier bis fünf Monate für ein Buch.

Denjenigen, die ihren ersten Roman in der Schublade haben und ihn gern veröffentlicht sehen möchten, rät er unumwunden: "Nicht aufgeben!" Vor der Veröffentlichung seines ersten Krimis habe er sich bereits an drei weiteren Spannungsromanen versucht; einen Verleger habe er nicht gefunden. "Klemmt euch dahinter", ermahnt Barclay deshalb, und weist darauf hin, dass es ohne ein dickes Fell und die Beherzigung von kritischen Ratschlägen anderer nicht gehe. "Ich habe lange Jahre als Redakteur gearbeitet und weiß, dass kleine Verbesserungen hier und da die Leistung des Autors nicht schmälern."

Helge Rehbein, Buchreport


Linwood Barclay: "Ohne ein Wort", Ullstein, 8,95 Euro.