Taschenbuch Bestseller Post im Pub
In einem heruntergekommenen Viertel Edinburghs wird ein illegaler Einwanderer erstochen aufgefunden. Inspector Rebus nimmt die Ermittlungen auf, obwohl ihn ganz andere Probleme plagen: Seine alte Polizeiwache ist geschlossen worden und seine Vorgesetzten würden den sturen und trinkfesten Rebus am liebsten aufs Altenteil schicken. Kollegin Siobhan Clarke kümmert sich derweil um den Fall eines verschwundenen Mädchens - und auch ihre Ermittlungen führen in die verruchtesten Winkel der Stadt.
Für die New Yorker Literaturzeitschrift "Kirkus Review" gehören John Rebus und Siobhan Clarke "zum Besten, was Schottland seit der Erfindung des Single Malt Whiskey hervorgebracht hat". Zwar wollte der solchermaßen gelobte schottische Autor Ian Rankin (geboren 1960) schon als Kind Schriftsteller werden, doch kam er während seines Studiums der englischen Literatur in Edinburgh über Kurzgeschichten und einen juvenilen Bildungsroman, der in einem studentischen Kleinverlag erschien, nicht hinaus. Viel Kraft und Zeit kosteten auch die Proben seiner Punkband, für die er als Sänger und Liedtexter im Einsatz war.
Doch dann kam der Durchbruch: Bei der Arbeit an seiner Dissertation über die britische Schriftstellerin Muriel Spark ließ Rankin das Verlangen, eine zeitgenössische Variante von Stevensons "Dr. Jekyll und Mr Hyde" zu verfassen, nicht mehr los. Der damals 27-Jährige erfand einen Romanhelden namens Rebus, der während seiner Ausbildungszeit in einer britischen Spezialeinheit zu Testzwecken gefoltert worden war und daran fast zerbrochen ist. Quasi als Wiedergutmachung wird Rebus ein Job bei der schottischen Polizei zugeschoben, mit dem er aber vom Regen in die Traufe kommt: Anonyme Briefe gehen bei ihm ein darin Bindfadenknoten und Papierkreuzchen , und Rebus begreift, dass ein Serienkiller Kontakt mit ihm aufgenommen hat.
Aids, Drogen und soziale Spannungen
"Verborgene Muster" (im englischen Original "Knots and Crosses"), Rankins erster Inspector-Rebus-Roman, machte den jungen Autor 1987 schlagartig bekannt. Die erstmals literarisch zur Schau gestellte finstere Seite Edinburghs, die vor dem Hintergrund holzverschälter, farbiger Pubfassaden, grauer Steinhäuser im Sprühregen, Möwengeschrei, Heidekrauthügeln, starkem Tee und trockenem Humor umso deutlicher hervortritt, lockte die Leser. Inzwischen sind 16 Romane um den schrulligen Inspector erschienen. "So soll er sterben" (im Original: "Fleshmarket Close", 2004) ist die Nummer 15.
Und Rankin weiß, wovon er schreibt. In einem verrußten Bergarbeiternest 30 Meilen nördlich von Edinburgh aufgewachsen, wunderte er sich, dass niemand die sozialen Spannungen in der schottischen Gesellschaft zur Kenntnis nehmen wollte: "In den Achzigern gehörte Edinburgh zu den Städten mit der größten Drogenszene in Westeuropa und wies zugleich horrende Aids-Ansteckungsraten auf", erinnert sich der heute 47-Jährige.
Rankin wurde mit den renommiertesten Krimipreisen ausgezeichnet, seine Bücher sind aus den internationalen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken. Die englische Königin hat ihm für seine Verdienste um die Literatur den "Order of the British Empire" verliehen. Der Autor, mittlerweile auch mit dem "Diamond Dagger" für sein Lebenswerk geehrt, lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Edinburgh. Seine Post holt er sich weiterhin im Pub ab.
Helge Rehbein, Buchreport
Ian Rankin: "So soll er sterben", Goldmann, 9,95 Euro