Zoff im "Quartett" Reich-Ranicki bestreitet abfällige Äußerungen
Lübeck/Hamburg - Die "Bunte" habe das Gespräch mit ihm "haarsträubend" entstellt, sagte Reich-Ranicki den "Lübecker Nachrichten". Er wolle nie wieder etwas mit der Zeitschrift zu tun haben. Er ging so weit zu sagen: "Ich habe der Illustrierten überhaupt kein Interview erteilt". Die Illustrierte hatte am Donnerstag ein Interview veröffentlicht, in dem Reich-Ranicki heftige Kritik an Sigrid Löffler, seiner Kollegin im "Literarischen Kabinett", übt.
Der Autor der "Bunten", Paul Sahner, widersprach - ebenfalls in den "Lübecker Nachrichten" - der Darstellung Reich-Ranickis. Er habe den Kritiker nach der Sendung am 30. Juni angerufen und ein Gespräch vorgeschlagen. Reich-Ranicki und Löffler, die zusammen mit Hellmuth Karasek und jeweils einem Gast die ZDF-Büchersendung moderieren, hatten sich während der Sendung über den erotischen Roman "Gefährliche Geliebte" von Haruki Murakami gestritten. Inzwischen gilt die Zukunft des "Quartetts" als ungewiss.
"Die Zusammenarbeit mit Frau Löffler ist eine Qual. Deswegen möchte ich das 'Quartett' gar nicht mehr so lange machen", hatte die "Bunte" Reich-Ranicki zitiert. Sahner betonte nun: "Ich habe Reich-Ranicki ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um ein Interview handelt, und er hat gesagt: Machen Sie was draus." Ein Band sei mitgelaufen. Davon wiederum will Reich-Ranicki nichts gewusst haben.
Der Kritiker zeigte sich enttäuscht: "Ich bin jetzt 80 Jahre alt. In meinem ganzen Leben ist so etwas mit dem 'Spiegel', mit dem 'Stern' und anderen Blättern noch nie passiert - so etwas zutiefst Unanständiges." Sahner erklärte hingegen, Reich-Ranicki habe nicht darum gebeten, den Text vor Erscheinen der Illustrierten lesen zu dürfen.