Gestorben Louise Glück, 80
Webb Chappell
Als die Dichterin 2020 den Nobelpreis bekam, war nicht allein die literarische Welt sehr überrascht – auch sie selbst war es: Erst sei sie in Panik geraten, habe geglaubt zu halluzinieren, dann habe sie sich unglaublich geehrt gefühlt, beschrieb Louise Glück damals ihre eigene Reaktion auf die Nachricht. Geboren wurde sie 1943 in New York City. Als junge Frau belegte sie Lyrikkurse an der Columbia University und veröffentlichte ihre ersten Gedichte Ende der Sechzigerjahre, unter anderem im »New Yorker«. Es folgten Jahre, in denen Glück selbst unterrichtete, meist an Colleges in Neuengland, in Abständen eigene Lyrik publizierte und sich so langsam ein Publikum erschloss. Ihren bekanntesten Gedichtband, »Wilde Iris«, veröffentlichte sie 1992. In dessen Versen spiegelt sich in den Blumen eines Gartens das ganze Leben: »Jede überstandene Not vertieft nur ihre Farbe«, heißt es etwa in dem Gedicht »Lied« über eine Rose. Glück wurde für »Wilde Iris« mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, es war die erste von etlichen bedeutsamen Auszeichnungen für eine Schriftstellerin, in deren Werk traumatische Geschehnisse und das Erleben von Verlust leise anklingen und doch tief prägend sind. Louise Glück starb am 13. Oktober in Cambridge, Massachusetts.