LITERATUR Lust am Sprachspiel
Sein Prosadebüt trug 1964 den Titel »Fortsetzung des Berichts« und begann ungewöhnlich: »Nun, nachdem ich alles beschrieben habe ...« So ging es munter weiter: mit den literarischen Späßen um »Pilzer und Pelzer« (1967), der Fußball-Collage »Punkt ist Punkt« (1971) oder dem Balladenband »Hans Waldmanns Abenteuer« (1985). Ror Wolf, 71, ist bis heute der begabteste Experimentierer unter Deutschlands Erzählern geblieben, ein Lustmolch des Sprachspiels: Sein neuer Prosaband »Zwei oder drei Jahre später« beweist es. Hier werden unzählige Geschichten nicht erzählt - indem sie abgebrochen, dementiert, revidiert oder durch andere Geschichten ersetzt werden, die dann wiederum zu keinem Ende kommen. Oder zu einem Ende wie diesem hier: »Und alles, was ich Ihnen nun beschreiben werde, wird Sie in noch größeres Erstaunen versetzen als alles, was ich bisher beschrieben habe.« Worauf dann natürlich nichts mehr folgt. Oder eben eine ganz andere Geschichte, die etwa so anhebt: »Ein Mann, ein Geiger, ein unbekannter Geiger, dessen Name mir beim besten Willen nicht einfallen will ...« Oder auch so: »Es ist wahr, von Noll war bisher wenig die Rede.« Überflüssig zu erwähnen, dass der Leser in dieser Geschichte nichts weiter von Noll erfahren wird - »reden wir lieber von Mauch«, schlägt der Erzähler vor. Es ist ein Vergnügen, diesen Vexierstücken, meist kaum länger als eine Seite, zu folgen. Nichts wird man am Ende in der Hand haben, dafür entschädigt ein hellwaches Gefühl im Kopf.
Ror Wolf: »Zwei oder drei Jahre später - SiebenundvierzigAusschweifungen«. Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main;128 Seiten; 17,90 Euro.