Gestorben Maggie Smith, 89
Everett Collection / IMAGO
Was für eine großartige Schauspielerin muss man sein, wenn man mit Mitte Dreißig seinen ersten Oscar gewinnt und über vierzig Jahre später den Zenith seiner Karriere erreicht? Maggie Smith gelang etwas, was nur sehr wenigen Stars vergönnt ist: von Kinogängern und Fernsehzuschauern aus allen Generationen ins Herz geschlossen zu werden. Im Alter von 16 Jahren ging sie in Oxford auf eine Theaterschule, stand bald darauf in London und mit Anfang Zwanzig in New York auf der Bühne. Rasch wurde sie ein gefragter Theaterstar und war auch immer öfter in Kinofilmen zu sehen. Sie entsprach nicht den klassischen Schönheitsidealen. Vielleicht trug dies mit dazu bei, dass sie interessante und komplexe Rollen bekam – wie etwa die der strengen, mit dem Faschismus liebäugelnden Lehrerin in der Literaturadaption »Die besten Jahre der Miss Jean Brodie« (1969). Für diese Leistung erhielt sie ein Jahr später den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Geschätzt wurde sie vor allem für ihr komödiantisches Talent, was sie auch als einengend empfand, wie sie später erzählte. Doch Smith, die jeden noch so brillanten Dialogsatz weiter zuspitzen und punktgenau ins Ziel bringen konnte, war mit ihrem wunderbar ausdrucksvollen Gesicht auch jederzeit in der Lage, der Komik Melancholie beizumischen. Als Minerva McGonagall in den Harry-Potter-Filmen wurde sie mit fast Siebzig ein Jugendidol, in der Fernsehserie »Downton Abbey« begeisterte sie als ungemein scharfzüngige Matriarchin Violet Crawley ein weitweites Publikum. Maggie Smith starb am 27. September in London.