Mahnmal unter dem Pflaster
Wer künftig den Saarbrücker Schloßplatz betritt, geht symbolisch über Gräber - auch wenn ihm die Zeichen dafür unsichtbar oder selbst unbewußt bleiben. Heimlich hat der Künstler Jochen Gerz mit Studenten der Saar-Kunsthochschule angefangen, die scheinbar neutrale Fläche untergründig in ein »Mahnmal gegen Rassismus« zu verwandeln; diese Woche macht Ministerpräsident Lafontaine das Projekt überregional publik. Darum geht es: Aus dem Pflaster werden Steine entnommen, auf der Unterseite die Namen jüdischer Friedhöfe in Deutschland eingemeißelt und dann wieder eingesetzt, als wäre nichts gewesen. Die schlichte künstlerische Geste weckt Erinnerungen, die auch in einer einstigen Gestapo-Zelle im Schloß noch gegenwärtig sind, und nimmt zugleich das Motiv der Verdrängung auf. Wichtig für die Arbeit des Gerz-Teams ist die Recherche bei den nur 66 noch bestehenden jüdischen Gemeinden. Bis zum übernächsten Frühjahr soll das Mahnmal mit mehr als 1900 Friedhofsnamen unter ebenso vielen Steinen fertig sein.