Gestorben Menahem Pressler, 99
Musik war seine Rettung, sein Lebenszweck und -elixier. Menahem Pressler, lange der wohl älteste aktive Pianist, brauchte das Klavierspiel wie die Luft zum Atmen. Mit seinen Eltern und seinem Bruder musste er als 15-Jähriger vor der Judenverfolgung der Nazis aus Magdeburg nach Palästina fliehen. Schwer traumatisiert verlor er dramatisch an Gewicht, die Ärzte konnten ihm nicht helfen, erzählte er dem SPIEGEL 2008: »Was mich am Ende geheilt hat, war die Musik, das Spielen, das Lernen und am meisten das Empfinden.« Sein Talent, seine Disziplin und eine gute Portion Glück, wie er selbst sagte, verhalfen ihm zu einer sensationellen Karriere als Musiker. Pressler nahm 1946 an einem Debussy-Wettbewerb in San Francisco teil, gewann, setzte seine Karriere in den USA fort und gründete 1955 das Beaux Arts Trio mit, das über 50 Jahre lang – mit wechselnden Violinisten und Cellisten – Tausende Konzerte in aller Welt gab und als das bedeutendste Ensemble seiner Art galt. Eine der ersten von Hunderten Aufnahmen bestand in den Klaviertrios von Maurice Ravel und Gabriel Fauré; zum Repertoire gehörten alle großen Stücke aus Klassik und Romantik. Modernes spiele er vor allem, um die alte Musik noch besser zu verstehen, sagte Pressler später. Im Jahr 2008 löste sich das Trio auf, Pressler, ein leidenschaftlicher Lehrer, der viele Jahre eine Professur an einer Musikhochschule in Indiana innehatte, machte als Solist weiter. Da war er 85 Jahre alt. Er fühle sich »jung, sehr jung«, sagte er damals. Mit 90 hatte er sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern. Menahem Pressler starb am 6. Mai in London.