Mit Einfällchen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 67 / 79

BÜCHER / NEU IN DEUTSCHLAND Mit Einfällchen

»Ich Urs Dickershof Undsoweiter eine Art Bilderbuch«, Lukianos; 114 Seiten; 20 Mark.
• aus DER SPIEGEL 30/1969
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

»Ich Urs Dickerhof Undsoweiter -- eine vermessene Sache mit noch nicht 27« tippt Urs Dickerhof, 27, an einen Freund und läßt die im Ich-Jan-Cremer-Stil gehaltene Selbstbescheidung in eben dieser »vermessenen Sache« faksimilieren.

So flott geht es allerwegen zu in diesem »Report« eines Malers über sich und Frau Irms, über seine Bilder, seine Freunde aus der Schweizer In-group und Mischa, den Sohn, der auch schon zeichnet. Alle haben sie etwas beigesteuert, ein Bildchen, ein Textchen, ein Erlebnis, manchmal gar ein Einfällchen, aber so schick lebensecht collagiert hat es der Urs immer allein.

Diese »Art Bilderbuch« (Programm: »Ein Thema wird eingekreist, und vielleicht kommt eine Person heraus"> ist enorm nett: so richtig von Freunden für Freunde, die zwar ihre kleinen Rivalitäten haben ("Der Moucky säuft meinen Kafi weg"), aber in den großen Dingen nichts auf sich kommen lassen.« Sex is fun«, und gegen die Notstandsgesetze ist man engagiert. Es kommen vor: Vietnam und Papst und Pille und Dutschke und Springer undsoweiter. Man liebt die Beatles, Bob Dylan und eine gemütliche Kneipe.

Batman, Dachau, Busen und Bomben -- das alles wird als Realitätsverschnitt auf den gemeinsamen ästhetischen Nenner gebracht und zum modernen Poesiealbum gebunden. »Ich, Urs Dickerhof, versuche Distanz zu halten.« Eigene Gemälde heißen folglich »The Little Nice War Ghost«, »Eine süße Bombe« oder »Das 50-Jahre-Dachau-Jubelbild«.

Zur Ausgabe
Artikel 67 / 79